Uups! - et orbi: Exerzitien mit dem Satan - DER SPIEGEL
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Uups! - et orbi Exerzitien mit dem Satan

Man stelle sich vor, das Spitzenpersonal einer Supermacht verabschiedet sich geschlossen für eine Woche, um gemeinsam über den Sinn des Lebens nachzugrübeln. Exakt das passiert gerade in Rom.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Rom - Die Frühjahrsmode im Vatikan zeigt einen Trend zur Spitze. Das könnte damit zusammenhängen, dass Benedikt XVI. seit einiger Zeit häufiger ein auffallend spitzenverziertes Rochett trägt, ein weißes, knielanges Hemd aus plissiertem Leinen. Ein Kanonikus meinte dazu: "Es ist wie im Hofstaat des 18. Jahrhunderts. Die Höflinge tragen, was der Souverän trägt." Aber das ist schließlich in jeder Firma so. Wenn vielleicht auch weniger mit Spitzenwäsche.

Asche über sein Haupt: Am Aschermittwoch begann der Papst die Fastenzeit

Asche über sein Haupt: Am Aschermittwoch begann der Papst die Fastenzeit

Foto: Getty Images

Ansonsten ist seit Sonntagabend im Vatikan der Stillstand ausgebrochen. Statt zu regieren, widmen sich die Spitzenfunktionäre der Kurie den Exerzitien, asketisch-spirituelle Übungen zur Fastenzeit. Man hört Meditationen, singt, betet, hört wieder etwas Besinnliches, liest die Laudes und isst nur das Nötigste. Der Papst immer vorneweg, mit seinen 80 Jahren. Während seine Kardinäle in der Loggia umherwandeln, das Rosarium in den Fingern, sitzt Benedikt in seiner Privatkapelle Redemptoris Mater.

Der diesjährige Fastenprediger ist Jesuit, Bibelwissenschaftler und 2006 zum Kardinal ernannt worden: Albert Vanhoye. "Christus als Hohepriester" ist sein Thema. Nicht unbedingt ein intellektueller Scoop, aber kurios ist immerhin, dass sich die komplette Führungsschicht des Vatikans eine Woche lang quasi ausschließlich Betrachtungen über das Thema "Christus als Hohepriester" hingibt.

Man stelle sich vor, das Bundeskabinett verabschiedete sich vierzehn Tage von den Geschäften, um gemeinsam auf Sylt über den kategorischen Imperativ zu grübeln. Am Sonntag beim Angelus hatte Benedikt XVI. den Sinn des Fastens erklärt. Das klang erst wie das Grundsatzprogramm der SPD. Man solle "sich mit dem Übel der Welt auseinandersetzen und die Gründe für das Leid bekämpfen", mit den Waffen des Gebets, des Fastens und des Almosengebens. Dann radikalisierte sich das Vokabular ein wenig: Dieser Kampf pro bonum contra malum müsse dort beginnen, wo sich das Böse konkret verkörpere, nämlich bei Satan. Hoppla! Das hätte Kurt Beck aber anders gesagt.

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