Uups! - et orbi Klerus im Steuerparadies
Rom - Um Geld braucht sich ein Papst eigentlich nicht zu sorgen. Das Essen steht auf dem Tisch, die Wohnung ist längst abbezahlt, und alle Welt drängelt sich, um neue Autos, Aktentaschen oder Einbauküchen gratis abzugeben. Joseph Ratzinger hatte schon als Kardinal nie einen Geldbeutel dabei.
Anders die italienischen Bischöfe. Unter der Führung des hageren Kardinals Ruini haben sie in den letzten 20 Jahren ihre Kirche zu einem hochprofitablen Unternehmen umgebaut - mit knapp drei Milliarden Euro Umsatz und anderthalb Milliarden geldwerten Steuervorteilen. So der "Repubblica"-Autor Curzio Maltese. Er hat gerade ein Büchlein "La Questua" ("Das Almosen") geschrieben und kommt zu dem Ergebnis: "Die Kosten der katholischen Kirche für die italienischen Steuerzahler sind höher als die Kosten der Politik."
Und letztere sind sprichwörtlich. Vier Milliarden Euro werden jährlich für Diäten (die höchsten Europas), Dienstwagen, Zuschüsse für Parteiblättchen, Pensionen, den Lohn für allein acht parlamentarische Frisöre und anderes ausgegeben. Nur der Klerus sei noch teurer, schreibt Maltese: "Mit aller gebotenen Vorsicht kann man behaupten, dass die katholische Kirche die italienischen Steuerzahler jedes Jahr etwa viereinhalb Milliarden Euro kostet, von direkter Finanzierung durch Staat und Gebietskörperschaften bis zum Steuerausfall."
Das sind im Einzelnen eine Milliarde an Kirchensteuer (die "acht Promille" in der Einkommensteuer-Erklärung), 950 Millionen für die Gehälter der 22.000 Religionslehrer und 700 Millionen Zuwendungen für Lehre und Gesundheitswesen. Dazu geschätzte 1,5 Milliarden entgangene Einnahmen. Denn katholische Buchläden, Hotels, Kinos, Reliquienshops, Restaurants und Immobilien sind seit den Lateran-Verträgen von jeglicher Steuer befreit.
Auch die 7000 Hektoliter Likör und Schnaps, die jedes Jahr im vatikaneigenen Supermarkt umgesetzt werden, sind komplett steuerfrei. Der Vatikan ist eines der letzten Steuerparadiese in Europa. Die katholische Kirche bekommt ihre Zuwendungen zudem im Voraus. Die Protestanten müssen drei Jahre warten. Erst im August 2007 hat die EU-Kommission gegen die steuerliche Bevorzugung der Kirche in Italien Bedenken erhoben.
Anonymer Wohltäter Staat
Die Regierung in Rom solle beweisen, dass es sich hier nicht um eine versteckte staatliche Hilfe handelt. Ein krasses Urteil. Italiens Bischöfe rechtfertigen sich damit, der Staat überlasse ihnen schließlich auch die Caritas. Ohne all die katholischen Suppenküchen und Armenpriester blieben etliche Familien und Gestrandete sich selbst überlassen. Ganz zu schweigen von der Entwicklungshilfe, die der italienische Staat zu einem großen Teil ebenfalls der Kirche zugeschoben hat.
Maltese lässt das gelten. Es sei aber eines laizistischen Staates unwürdig, die Sozialarbeit zwar zu finanzieren, den moralischen Mehrwert jedoch der Kirche zu überlassen. "Der Staat verhält sich, ohne es zu wollen, wie der großzügigste Wohltäter: er finanziert die katholische Caritas quasi zur Gänze, aber bewahrt die absolute Anonymität." Außerdem, schreibt er, würde von fünf Euro Kirchensteuer lediglich ein einziger Euro für Mildtätigkeit ausgegeben: "Die anderen vier dienen der Selbstfinanzierung." Die Protestanten in Italien dagegen, die Waldenser-Gemeinden etwa, finanzieren ihre Pfarrer aus Spenden und verteilen die "acht Promille" zu fast hundert Prozent an Bedürftige. Das Geld der Katholiken, das in die Dritte Welt fließt, sei, so Maltese, keine reine Entwicklungshilfe, sondern würde zu einem großen Teil für Mission und Kirchenbau verwendet.
Und wer das Geld hat, hat auch die Macht in der Kirche. Es ist das gleiche Dilemma wie in Deutschland. Sobald ein Priester nicht von der Gemeinde, sondern von Zuwendungen der Zentrale lebt, leidet sein Selbstbewusstsein, und es breitet sich Schweigen aus. Und das auf allen Ebenen: "Die Bischöfe reden nicht mehr, sondern warten nur noch auf den Input von oben", beklagte Kardinal Carlo Martini, einer der Papabili des letzten Konklaves. Das sei Mitschuld der Kirchensteuer.
"Und so ist die Kirche für viele heute zum Haupthindernis des Glaubens geworden. Sie vermögen nur noch das menschliche Machtstreben, das kleinliche Theater derer in ihr zu sehen, die mit ihrer Behauptung, das amtliche Christentum zu verwalten, dem wahren Geist des Christentums am meisten im Wege zu stehen scheinen."
Dixit Joseph Ratzinger noch 1968, in seiner "Einführung in das Christentum".