Uups! - et orbi: Mit Bush in den Büschen - DER SPIEGEL
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Uups! - et orbi Mit Bush in den Büschen

George Bush und Benedikt XVI. verstehen sich und haben mehr Gemeinsamkeiten, als man gemeinhin denkt. Doch sie haben auch ein Problem miteinander - und das hat mit Handfeuerwaffen zu tun. Unter freiem Himmel sollte der Dissens nun gelöst werden.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Rom - Die Sicherheitsleute der Vatikanstadt erinnerten sich noch an den letzten Bush-Besuch. Da stand plötzlich ein gepanzertes Fahrzeug mit Boden-Luft-Raketen vorm St.-Anna-Tor. Es war vollgepackt mit Secret-Service-Leuten und begehrte Einlass. Die Posten der Schweizergarde verwehrten das und stellten sich in den Weg. Mann gegen Panzer, was für ein Bild!

Benedikt und Bush beim Spaziergang: Gespräche über den Weltfrieden

Benedikt und Bush beim Spaziergang: Gespräche über den Weltfrieden

Foto: REUTERS

Der Wagen blieb schließlich draußen. Dafür wurde ein anderes Tabu gebrochen: Zum ersten Mal seit dem "Sturm auf Rom" 1527 drangen Bewaffnete in den Vatikanpalast ein. Damals waren es protestantische Landsknechte, diesmal Geheimdienstleute aus dem Tross des US-Präsidenten. Keinem anderen Staatsgast war dieses Privileg je gegönnt worden. Und diese eine Ausnahme sucht man mittlerweile im Vatikan mit Kräften zu verdrängen.

So erklärt sich, dass am vergangenen Freitag der Papstpalast für George W. Bush off limits war. Papst und Präsident trafen sich auf dem höchsten geografischen Punkt des Staatsgeländes, 78,5 Meter über dem Meeresspiegel, mitten in den Gärten. Sie machten einige, von Beobachtern als "ein wenig steif” beschriebene Schritte auf den geteerten Wegen, und Benedikt XVI. verkniff sich dabei das gemeinsame Beten des Rosenkranzes (was angeblich befürchtet worden war).

Dann zogen sich die beiden "im Zeichen der Freundschaft" ("Osservatore Romano") in den Torre di San Giovanni zurück, eine Art vatikanisches Gästehaus in Wehrturmform, wohinein auch Waffen gebracht werden dürfen. Hier sprach man dann vermutlich über den Weltfrieden.

Für den Vatikanisten der "Repubblica", Marco Politi, saßen hier zwei lame ducks zusammen. George W. als bald gewesener Chef einer Weltmacht und Benedikt XVI. als Chef einer gewesenen moralischen Supermacht: "Begraben die Zeit, als Wojtyla über Bush noch sagte, dieser werde sich, falls er sich für den Krieg entscheide, 'vor Gott, vor seinem Gewissen und vor der Geschichte' zu verantworten haben." Vor seiner Abreise hatte Bush noch gefragt, wie groß der Vatikan eigentlich sei. "Kleiner als Texas", war ihm geantwortet worden. Man hätte auch sagen können: kleiner als Ihre neue Botschaft in Bagdad.

P.S. Auch andere Amerikaner müssen draußen bleiben. Der Vatikan hat Dan Brown jetzt verboten, für die Verfilmung seines in Rom spielenden Bestsellers "Illuminati" die Kirche S. Maria del Popolo als Drehort zu benutzen. So werden Ketzer bestraft, die Schmutz und Verdächtigungen über die Una Sancta ausgießen. Seit der Veröffentlichung des "Sakrileg" ist Dan Brown der Lieblingsbuhmann des Vatikans.