Uups! - et orbi No, we cant
Rom - In den Abruzzen, oberhalb des Städtchens Sulmona, wurde durch einen Erdrutsch ein Stück Fels freigelegt, das exakt das Profil von Papst Coelestin V. trägt. Ein Wanderer, mit Bergausrüstung und beeindruckendem ikonographischen Gedächtnis, hat es kürzlich entdeckt, und der Fund wurde am Dienstag vom Kulturbeauftragten der Region der Weltöffentlichkeit mitgeteilt.
Coelestin V. (etwa 1215-1296) war der einzige Papst, der je freiwillig von seinem Amt zurücktrat. Ein Zeichen? Die Wunder-Kommission wird eines Tages darüber befinden. Derzeit hat der aktuelle Papst ganz andere Sorgen: Wie halte ich's mit Obama?
Benedikt XVI. hat die amerikanische Vatikan-Botschafterin Mary Ann Glendon gebeten, die Fäden zu dem designierten Präsidenten zu spinnen und den Kontakt zu halten: "Dass Gott Sie erleuchte", wünschte er. Die Harvard-Professorin und Lebensschützerin war einmal Chefin der Päpstlichen Sozialakademie. Jetzt soll sie vermeiden, dass es noch vor Beginn der Amtszeit zum Affront zwischen Weißem Haus und schwarzer Doktrin kommt.
Obama mag viel von John F. Kennnedy haben - aber gewiss nicht dessen (katholische) Konfession. Der künftige Stabschef John Podesta hatte erklärt, es würden etwa 200 Bush-Dekrete rückgängig gemacht werden. Darunter das Verbot, die Forschung mit embryonalen Stammzellen zu fördern. Auch dürfe die Zahlung von Entwicklungshilfe nicht an das Versprechen gekoppelt werden, Abtreibungen zu verbieten.
Sofort ließ die Kurie ließ zwei Kardinäle (Julian Herranz und Javier Lozano Barragan) Interviews geben, in denen klargestellt wird, dass mit Embryonenzellen nicht herumgeforscht werden darf. Mag Obama auch mit "Yes, we can" die Wahlen gewonnen haben - der Vatikan sagt: Non possumus.
Am Mittwoch hat Benedikt XVI. die Sache und den Hörer selbst in die Hand genommen und in Chicago angerufen. Man habe, erklärte sein Sprecher Federico Lombardi, "nicht über Stammzellen" gesprochen. Aber wohl kaum auch übers Wetter.
Mehr als die Hälfte der US-Katholiken haben für Obama gestimmt, obwohl einige Bischöfe davor gewarnt hatten. Selbst der designierte Vizepräsident Joe Biden ist für manchen Kirchenfürst kein richtiger Katholik. Charles Caput, der umstrittene Erzbischof von Denver, hatte gefordert, den Mann mit Hostienverbot zu strafen, weil Biden sich für "Pro Choice", das Recht auf Abtreibung, stark gemacht hatte. Bidens Ortsbischof in Wilmington erteilte ihm mit gleicher Begründung Redeverbot an katholischen Schulen.
Der künftige Vizepräsident seinerseits hatte in einem Interview mit dem "Cincinnati Enquirer" 2005 angekündigt, jedem die Perlen seines Rosenkranzes in den Hals zu stopfen, der es wage, seinen christlichen Glauben zu bezweifeln. Und ließ sich am 2. November fotografieren, wie er in Tallahassee (Florida) erfolgreich kommunionierte: Yes, I can! In den nächsten Wochen wird die Amerika-Abteilung in der Kurie jedes Wort der neuen Mannschaft in Washington durchleuchten und diskret aufs Regierungsprogramm Einfluss zu nehmen versuchen.
Den Schriften übrigens ist zur Frage eines farbigen Präsidenten nur Wirres zu entnehmen. Bei Jeremias (13.23) heißt es ziemlich alttestamentarisch: "Kann auch ein Mohr seine Haut wandeln oder ein Parder seine Flecken? So könnt ihr auch Gutes tun, die ihr des Bösen gewohnt seid." Mit Parder sind Leoparden gemeint. Da hilft natürlich kein Fleckenreiniger. Das ließe nicht viel Hoffnung auf Einsicht. Andererseits: Jeremias ist von den eigenen Leuten gesteinigt worden. Vermutlich weil sie seine ewigen Unkereien nicht mehr ertragen konnten.
Wieso gibt es im Vatikan ein Standesamt, und warum ist die Kriminalitätsrate dort höher als in São Paulo? Und wie komme ich an der Schweizergarde vorbei? SPIEGEL-ONLINE-Vatikanist Alexander Smoltczyk hat durchs Schlüsselloch des päpstlichen Appartements geblickt und beantwortet gnadenlos alle Fragen, die andere noch nicht einmal zu stellen wagen: "Vatikanistan - Eine Entdeckungsreise durch den kleinsten Staat der Welt" ist jetzt im Buchhandel.