Uups! - et orbi: Von Katar zu Kath-ar? - DER SPIEGEL
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Uups! - et orbi Von Katar zu Kath-ar?

Der Chefmissionar des Vatikans reist zu Ostern an den Persischen Golf, um im (streng wahhabitischen) Emirat Katar die erste katholische Kirche zu eröffnen - ohne großes Aufsehen und Glockengeläut.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Rom - Kardinal Ivan Dias spricht ungefähr zwölf Sprachen, wurde in Mumbai (Bombay) geboren und gilt als jemand, der ziemlich gute Chancen hat, eines Tages als Nachfolger von Benedikt XVI. in den Apostolischen Palast einzuziehen. Derzeit ist er noch Präfekt der Kongregation für die Evangelisierung der Völker (ehemals: Congregatio de Propaganda Fide), also der Missionsminister des Heiligen Stuhls.

Die Kirche Santa Maria in Katar sieht nicht wirklich wie ein Gotteshaus aus

Die Kirche Santa Maria in Katar sieht nicht wirklich wie ein Gotteshaus aus

Foto: AFP

Bei all seinen Sprachkenntnissen würde Dias nie etwas sagen, was der Doktrin zuwiderliefe. Erst kürzlich erinnerte er in Lourdes an den uralten Kampf zwischen Gut und Böse und die Notwendigkeit, täglich den Rosenkranz zu beten, um nicht völlig durcheinanderzukommen im herrschenden Relativismus.

Eigentlich müsste Kardinal Ivan Dias also mit offenen Armen von den Wahhabiten empfangen werden, die in Doha, der Hauptstadt Katars, die metaphysische Deutungsmacht haben. Wird er aber nicht. Einem Bericht der Assyrischen Nachrichtenagentur Aina zufolge ist dort "eine erbitterte Debatte" ausgebrochen über den für Ostern geplanten Besuch des Kardinals.

Am 15. März wird Dias eine katholische Kirche einweihen. Sie ist gewidmet der "Allerheiligsten Jungfrau Maria" und wird die erste christliche Kirche im Emirat sein - seit 14 Jahrhunderten. Sofern man den Kirchenbau am Stadtrand von Doha überhaupt als solchen erkennen kann. Das sandfarbene langgezogene Gebäude sieht eher aus wie eine Moschee. Oder wie ein Beduinenzelt. Weder ist von außen ein Kreuz zu sehen, noch gibt es einen Glockenturm, "um jeden Anschein von Proselytismus zu vermeiden", wie die sanfte Stimme von Radio Vatikan dieser Tage meldete.

Es hatte jahrelange Verhandlungen über den Bau von Santa Maria gegeben. Von den rund 850.000 Einwohnern Katars sind etwa 80 Prozent Ausländer. Die meisten kommen als Hilfsarbeiter aus den Philippinen, Libanon oder Indien. Auch der Priester der Marienkirche wird ein Philippiner sein. Der Vatikan schätzt die Zahl von Katars Christen auf 100.000. Die Staatsreligion ist der Islam, orthodox wahhabitischer Ausrichtung.

Ein bekannter Kolumnist der Tageszeitung "al-Arab" schrieb deswegen: "Das Kreuz darf sich nicht in den Himmel Katars erheben, und keine Glocken dürfen läuten in Doha." Der Prophet habe geschrieben, auf der arabischen Halbinsel könnten nie zwei Religionen zusammenkommen. Schon gar nicht, wenn "aus Schadenslust und Unglauben, zum Anstiften von Zwietracht zwischen den Gläubigen" eine Kirche gebaut werde (Sure 9, 107).

"Katar ist per Verfassung ein islamischer Staat", erklärte auch der ehemalige Justizminister und verlangte ein Referendum über den Bau der "Allerheiligsten Maria". Christen sollten bei sich zu Hause beten, nicht in der Öffentlichkeit. Der ehemalige Dekan der Scharia-Fakultät an der Universität Doha, Abd al-Hamid al-Ansari, erklärte dagegen: "Stätten für den Gottesdienst verschiedener Religionen sind ein vom Islam garantiertes Grundrecht."

Nach der Einweihung von Santa Maria durch Kardinal Ivan Dias zu Ostern gibt es nur noch eine einzige kirchenfreie Zone auf der arabischen Halbinsel: Saudi-Arabien.

P.S. Zum ersten Mal gibt es eine Chefredakteurin im Vatikan. Die Österreicherin Astrid Haas leitet ab sofort die deutschsprachige Ausgabe der Vatikanzeitung "L'Osservatore Romano". Bisher war sie Stellvertreterin. Somit haben "taz" und "Osservatore" doch etwas gemeinsam. Auguri!

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