Italien: Schloss mit lustig
Venedig Die Brücke am Schloss
Venedig - Venedig hat es wirklich nicht leicht. Das Meer überflutet die Stadt immer wieder, die Palazzi sinken bedrohlich ab, die Touristen benehmen sich daneben und dann ist da noch die Sache mit dem Taubendreck. All das brachte die Venezianer zum Jammern, aber sie blieben gelassen. Bis die Schlösser auftauchten.
Sie sind die letzte Demütigung einer Stadt, die gelernt hat, ihr Romantik-Image zu ertragen. Unter jugendlichen Liebespaaren ist es seit einiger Zeit das Zeichen größter Zuneigung, an einer der zahlreichen Brücken der Stadt ein Vorhängeschloss anzubringen. Sie schreiben ihre Vornamen darauf, garnieren sie mit einem Herz und schließen sie ab - auf ewig.
Das Phänomen ist in Venedig nicht ganz neu, doch wie durch eine geheime Absprache verschonten die Liebenden bis jetzt das Wahrzeichen der Stadt: Die Rialto-Brücke. Nun hat es auch das Heiligtum der Stadt erwischt und die Italiener sind am Ende ihrer Geduld: "Wir haben 50 Schlösser an Metallstreben gefunden. Die Lage ist ernst", sagte Stefania Battaggia der Zeitung "Nuova Venezia". Battaggia leitet des Bürgeramt der Stadt und den Schloss-Attacken kann sie nichts mehr abgewinnen: "Soviel Romantik geht zu weit."
3000 Euro soll jetzt bezahlen, wer dabei erwischt wird, seine Liebe mit einem Schloss zu beweisen. Die Tageszeitung "La Repubblica" geht noch weiter und fordert ein Jahr Gefängnis für die Straftäter.
"Der Rost der Schlösser beschädigt den Stein"
An der hölzernen Ponte dell´Accademia fing alles an, rund 300 Vorhängeschlösser hängen heute daran, obwohl die Stadtreinigung erst im Februar mit Bolzenschneider alle entfernt hatte.
Die Rialto-Brücke aus dem 16. Jahrhundert mit ihren Bögen ist aber ein viel sensiblerer Fall. "Wir müssen dringend handeln, weil das Problem überhand nimmt, die Brücke ist doch das Wahrzeichen der Stadt. Und der Rost der Schlösser beschädigt den Stein", sagte Battaggia.
Auch die Menschen, die an der Rialto-Brücke leben und arbeiten haben die Nase voll. "Es ist ein Zeichen von Verfall und schlechter Erziehung", sagte Adele Scalabrin "Nuova Venezia". Sie betreibt einen kleinen Souvenirladen an der Brücke. "Die Jugendlichen habe ich nie bemerkt, weil sie die Schlösser heimlich anbringen." Und die Cinzia Zambon, die einen kleinen Markt führt, vermisst härteres Durchgreifen: "Es stimmt, dass die Polizei jede halbe Stunde von sechs Uhr morgens bis Mitternacht kontrolliert, aber sobald die Brücke unbewacht ist, kommen die Pärchen zurück."
Das Vorhängeschloss ist ein noch recht junger Liebesbeweis unter Jugendlichen. Es geht wohl zurück auf den Roman "Ich steh auf Dich" des italienischen Schrifstellers Federico Moccia. Er lässt die Liebenden seines Buches ein Schloss an der Milvischen Brücke in Rom anbringen - und irgendwie ist das Phänomen dann nach Venedig gewandert und von hier in die ganze Welt. Inzwischen hängen Liebes-Schlösser in Paris, Madrid, Litauen, Ungarn, Südkorea und sogar an der Chinesischen Mauer.