Wie man Stress zu Weihnachten vermeidet - DER SPIEGEL
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Weihnachten Entspannt Euch mal!

Alle Jahre wieder legt sich für wenige Tage Zuckerguss über das Familienleben. Die ritualisierte Süße hat nur ein Manko: Sie hält selten. Wer die Wahrheit über Weihnachten wissen will, sollte am Heiligen Abend einer rauen Männerstimme lauschen.
Schön trügerisch: Requisiten allein reichen nicht, um Harmonie herzustellen
Schön trügerisch: Requisiten allein reichen nicht, um Harmonie herzustellen

Schön trügerisch: Requisiten allein reichen nicht, um Harmonie herzustellen

Foto: Arno Burgi/ dpa
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Musik, die wir sonst nie hören und Requisiten, die wir nur einmal im Jahr auspacken, spielen rund um die Festtage eine erhebliche Rolle im Familienleben. Wir machen uns das nicht bewusst, aber eigentlich ist es verrückt: Wir verändern unser Umfeld, um rituell eine Art harmonische Unnormalität herzustellen.

Es ist der optische und auditive Zuckerguss, der sich über die Stimmung legen soll, um alles zu versüßen. Doch wir wissen, dass das nur in Grenzen funktioniert. Gerade die Kombination von Süß auf Sauer kommt oft gar nicht gut.

Rau und glockenhell im Duett

Interessanterweise sind die Weihnachtsfeste, über die man in Rückschau auch noch jahrelang herzlich lachend erzählt, diejenigen, bei denen richtig etwas schief geht. Wo Hektik zur Krise führt, der eigene überzogene Anspruch zur kleinen Katastrophe, wo eben jener Zuckerguss über Konflikte gelegt wird und im Streit aufbricht. Unter Psychologen gilt die Weihnachtszeit als Hauptsaison für Familienstreitigkeiten, weil alle so verdammt verbissen entspannt sein wollen. Und jeder etwas und leider oft zu viel vom anderen erwartet.

Wie falsch das ist, kann man aus dem "beliebtesten Weihnachtslied aller Zeiten" lernen. Und das ist einer aktuellen repräsentativen Umfrage in Großbritannien  zufolge eben nicht die wohl meistverkaufte Weihnachts-Single von Wham, sondern das vielleicht intelligenteste und ehrlichste Stück Weihnachtsmusik aller Zeiten: "Fairytale of New York" von den Pogues .

Kennen Sie nicht? Aber sicher: 1987 veröffentlicht, seitdem zigmal in den Charts gelandet, ohne es je zur absoluten Spitze zu schaffen (dieses Jahr landete es in England mal wieder auf Platz 3). Ein Duett zwischen rauer Männerstimme und glockenheller Frauenstimme mit Klavierpassagen im steten Wechsel mit lebhaften Irish-Folk-Tönen.

Locker bleiben

Es erzählt in Episoden und im wütenden Streit die Geschichte zweier Liebender, deren Beziehung an überzogenen Erwartungen und Versprechungen zerbricht und daran, dass eben nicht "alle Wünsche wahr werden". Erzählt wird uns das von einem, der zu Weihnachten in der Ausnüchterungszelle liegt und an Zeiten zurückdenkt, die hätten besser sein sollen, als sie waren.

Das ist Weihnachten völlig ohne jeden Zuckerguss, und "das einzige Weihnachtslied von Bedeutung", wie der Autor und Musiker Dave Bidini neulich schrieb - und nicht etwa in einem Alternative-Fanzine, sondern in Kanadas erzkonservativer "National Post" .

Es ist ein Anti-Weihnachtslied, wenn man so will, und dann auch wieder nicht. Es ist ein Lied, das ganz bewusst Zuckerguss auflöst - und mit seinem schonungslos-ironischen Blick auf dieses Nicht-Weihnachten mehr echte Botschaft transportiert als jedes andere Weihnachtslied.

Es sagt: Erwartet nicht zu viel. Versprecht Euch nichts, was Ihr nicht halten könnt. Nehmt es lockerer.

Klingt gut, finde ich.

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