WM-Party: "Ihr besiegt uns doch sowieso"
Deutsche Fans in Rio Ein Sieg ist noch nicht genug
Pepe ist gerade vom Schiedsrichter vom Platz gestellt worden, ein Kopfstoß gegen Muuhlller, wie die brasilianischen TV-Kommentatoren sagen. Die geballten Fäuste deutscher Fans stechen in den blauen Himmel der Copacabana: "Auf Wiedersehen, auf Wiedersehen", schreien sie. Nach diesem Auftaktspiel von Portugal und Deutschland ist ein Wiedersehen mit Pepe bei dieser Copa jedoch reichlich unwahrscheinlich.
Das deutsche Team hat überragend gespielt, das sagen auch die Fans, die sich zu Zigtausenden beim Fifa-Fanfest am Strand der Copacabana versammelt haben. Bei 30 Grad und hoher Luftfeuchtigkeit fließt der Schweiß in Strömen, die Getränke auch. Die Fans kommen aus Argentinien, Brasilien, den USA, England, der Schweiz, Japan, den Niederlanden - und aus Deutschland. Egal, welchen Pass sie haben, alle sind sich einig: Dieses Spiel ist spitze.
Auch wenn Cristiano Superstar Ronaldo, der doch 120 Prozent geben wollte, sich praktisch nicht bewegt. Keinen Ball bekommt, seinen Freistoß gegen einen Spieler donnert, der gerade alleine im Weg steht.
Die wenigen Portugal-Anhänger, die am Strand auf die Großleinwand starren, tragen die Schmach mit Trauer und Fassung.
Portugal-Einzelkritik: Schwacher Ronaldo, wütender Pepe
Die Deutschen dagegen zählen jetzt mit den Niederländern, die Spanien zerlegt haben, ganz offiziell zu den Favoriten bei den Fans.
Zwar kündigen die Brasilianer an: Natürlich werden wir Deutschland im Finale besiegen. Und auch die Argentinier glauben: Natürlich werden wir Deutschland im Finale besiegen. "Oder, na ja", sagt Pedro aus Buenos Aires etwas zerknirscht: "Wahrscheinlich schmeißt ihr uns doch im Viertelfinale raus. So wie jedesmal."
Er hat Tickets für alle Vorrundenspiele der Argentinier gekauft. "Ganz schön teuer", sagt er. Aber er kann nicht anders. Er ist fußballverliebt, war schon bei sechs Weltmeisterschaften. Am besten war die in Deutschland organisiert, sagt er. Am schönsten die WM in Japan und Südkorea. Und wie findet er die Copa in seinem Nachbarland? "Ach, ja," sagt Pedro. "Schön. Ist eben ein Fest."
Müller gegen Messi - der Deutsche liegt klar vorn
Nach zwei Tagen Party in Rio scheinen die meisten Argentinien-Fans etwas schlapp. Und die Freude über den 2:1 Sieg im Maracanã gegen Bosnien-Herzegowina, die verpufft angesichts des spektakulären Spiels der Deutschen. Zu mager war die Leistung von Messi und Co., zu wenig mitreißend. "Aber", sagt Pedro, "emotional muss das Spiel nicht sein. Man muss nur gewinnen."
Viele Fans an der Copacabana sehen das ganz anders. Zur Party gehört gute Laune, zur guten Laune gehört ein schönes Spiel. Wenn man schon quer um den Erdball fliegt, dann muss das Fest gut sein! Die Deutschen liefern an diesem Tag.
Die Brasilianer haben inzwischen die WM für tipptopp erklärt. Am fünften Tag steht für Carlos Magnavita, den Tourismuschef von Rio de Janeiro, und Vinicius Lages, den Tourismusminister Brasiliens, fest: Das befürchtete Flugchaos ist ausgeblieben, die Verspätungen der Maschinen sind moderat. Die Gepäckbänder funktionieren. Die öffentlichen Verkehrsmittel, wie etwa die Metro in Rio, werden dem Ansturm gerecht. Vielerorts sind auch die Streiks, die in den Wochen vor der WM beunruhigten, ausgesetzt. Und in WM-Städten wie Belo Horizonte, São Paulo und Rio de Janeiro haben die Aktionen des Black Block weniger Beifall und Zulauf als befürchtet.
Am Dienstag wollen die Fans das nächste Spitzenspiel sehen, die Seleção tritt in Fortaleza gegen Mexiko an (21 Uhr MESZ, Liveticker: SPIEGEL ONLINE, TV: ZDF).
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Die Vermessung des Deutschen WM-Fußballs