Yves Saint Laurent wird 70: Opium für das Modevolk - DER SPIEGEL
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Yves Saint Laurent wird 70 Opium für das Modevolk

Er ließ sich von nordfranzösischen Fischern genauso inspirieren wie von schönen Frauen und den Künstlern Andy Warhol oder Roy Lichtenstein: Yves Saint Laurent. Jetzt feiert der geniale Modeschöpfer seinen 70. Geburtstag.
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Frankfurt am Main - "Mit einer Hose und einem Rollkragenpulli ist jede Frau gut angezogen", sagte Yves Saint Laurent. Ein Satz so einfach und klar. Und doch hat der Modeschöpfer mit diesem Credo die Modewelt revolutioniert. Denn statt sich dem Modediktat ständig wechselnder Kreationen zu beugen, schuf Saint Laurent mit Trenchcoats, Matrosenjacken und kombinierbaren Hosenanzügen eine Basisgarderobe für die Frau.

Saint Laurent wird am 1. August 1936 im algerischen Oran geboren. Schon während seiner Schulzeit entwirft er die Bühnengestaltung und Kostüme für Theateraufführungen. Im Alter von 17 Jahren geht er nach Paris und lässt sich zum Modezeichner ausbilden. Während seiner Lehre nimmt er an einem Wettbewerb des Pariser Woll-Sekretariats teil, und setzt sich mit dem Entwurf eines Cocktail-Kleides durch - unter anderem gegen seinen späteren Konkurrenten Karl Lagerfeld.

In der Folge wird Michel de Brunhoff, Chefredakteur der Modezeitschrift "Vogue" auf den jungen Designer aufmerksam. Er macht ihn mit Christian Dior bekannt. Dieser verschafft ihm eine Stelle in seinem Modehaus. Als Dior 1957 stirbt, übernimmt Yves Saint Laurent auf dessen Wunsch die künstlerische Leitung des Hauses.

Doch die Karriere des jungen Modeschöpfers erfährt eine jähe Unterbrechung: 1960 wird er zum Wehrdienst einberufen. Zwar wird der an Depressionen leidende Saint Laurent nach wenigen Monaten aus gesundheitlichen Gründen aus der Armee entlassen, die Stelle bei Dior aber ist weg. Dort führte mittlerweile Chefdesigner Marc Bohan die Geschäfte.

Der ehrgeizige Saint Laurent wehrt sich. Er verklagt das Modehaus Dior auf Schadenersatz und gewinnt. Mit dem Geld, das ihm schließlich zugesprochen wird, eröffnet er 1962 sein eigenes Modehaus - die "Société Yves Saint Laurent" (YSL). Ihm zur Seite steht der Marketing-Experte Pierre Bergé, der viele Jahre lang auch sein Lebensgefährte ist.

Gerade Oberteile und kniekurze Röcke

Seine Kollektionen in den Jahren danach revolutionieren die damalige Vorstellung von Mode. Yves Saint Laurent schafft den "androgynen Typ". Und das in einer Zeit, in der die Weiblichkeit der Frau im Vordergrund steht - neben dem Damen-Smoking entwirft er gerade geschnittene Blazer und gerade lange Oberteile zu engen, kniekurzen Röcken. 1968 erfindet er den Safari-Look; in den siebziger Jahren lässt er sich von russischer Folklore inspirieren.

Nach und nach baut Saint Laurent sein Modeimperium aus. So bringt er als erster Pariser Modeschöpfer 1966 eine eigene Prêt-à-porter-Kollektion auf den Markt. Dazu bietet er Kosmetik und Parfüms für Frauen und Männer an. 1971 wirbt er nackt für seinen Herrenduft "homme". Sechs Jahre später kreiert er den Parfumklassiker "Opium".

Doch die Arbeitsbelastung fordert ihren Tribut. Hinzu kommen eine jahrelange Alkohol-, Kokain- und Beruhigungsmittelabhängigkeit. 1990 erscheint er abgemagert vor dem Premierenpublikum seiner Haute-Couture-Kollektion. An den Prêt-à-porter-Schauen wenige Monate später nimmt er gar nicht teil.

In Frankreich eine nationale Institution

1993 übernimmt der Konzern Sanofi das Modeimperium. Saint Laurent und Bergé behalten in der Sparte Haute Couture eine Minderheitsbeteiligung von zehn Prozent und bekommen die Zusicherung, allein für das Modegeschäft zuständig zu sein. Die Prêt-à-porter-Kollektionen entwirft seit 1998 der Designer Alber Elbaz. Im Jahr 2000 steigt Gucci ein.

Anfang 2002 verkündet Saint Laurent - in Frankreich inzwischen eine nationale Institution - seinen Ausstieg aus der Branche. Bergé lässt durchblicken, er sei über die Entwicklung in der Modewelt der vergangenen Jahre nicht sehr glücklich gewesen. "Er fühlte sich ein bisschen isoliert im gegenwärtigen Rahmen, in dem die Haute Couture nicht mehr das ist, was sie einmal war." Bei der letzten YSL-Show Ende Januar 2002 gibt sich ganz Paris die Ehre.

Beim Abschiedslied, das Schauspielerin Catherine Deneuve mit Model Laetitia Casta für YSL singt - "Ma plus belle histoire d'amour, c'est vous" ("Die größte Liebe verband mich mit Ihnen") -, fließen Tränen. Seitdem ist es still geworden um Yves Saint Laurent.

aki/AP/dpa

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