Zigarette im Stadion SPD-Politiker protestiert gegen Löw
Tenero/Berlin - Mit Hilfe einer Zigarette hat der zum Zuschauen verurteilte Joachim Löw das nervenaufreibende Ende des EM-Viertelfinalspiels gegen Portugal überstanden. In der verglasten Loge im Baseler St. Jakob Park, wohin der für ein Spiel gesperrte Bundestrainer von einem Uefa-Offiziellen geleitet wurde, habe es kein Rauchverbot gegeben, sagte Löw am Freitag auf der Pressekonferenz des DFB in Tenero. Als das Spiel besonders spannend geworden sei, habe er sich eine angezündet, gestand der Bundestrainer.
Millionen Fernsehzuschauer konnten sehen, wie er kurz vor Schluss rauchte - die deutsche Mannschaft musste nach dem Anschlusstor der Portugiesen in der 87. Minute zum 2:3 noch einmal um den Sieg zittern.
Er habe schon vor einiger Zeit wieder angefangen, ab und an eine Zigarette zu rauchen, sagte Löw weiter, etwa nach dem Essen. Das sei Genussrauchen. Er hätte auch andere Möglichkeiten gehabt, seine Nerven zu beruhigen: Die Uefa habe ihm Aspirin und Baldriantropfen in die Loge gestellt, sagte der Bundestrainer weiter. Das habe ihn verwundert, "aber das war in der Tat so".
"No Smoking, Please"
Löw verstieß mit seinem Griff zum Glimmstengel gegen die Prinzipien seines Arbeitgebers. Das Präsidium des Deutschen Fußball-Bundes hatte erst Ende Februar eine Empfehlung herausgegeben, in der Stadionbesuchern von Heimländerspielen ab sofort ein genereller Rauchverzicht nahegelegt wurde. "Unser Ziel ist es, dass bei unseren Heimländerspielen und bei den DFB-Pokal-Endspielen in Berlin möglichst nicht mehr geraucht wird. Der Schutz der Stadionzuschauer vor den Gefahren des Passivrauchens steht dabei für uns im Vordergrund", hieß es.
"Eine entsprechende Empfehlung zum Rauchverzicht hat sich schon bei der FIFA-WM 2006 in Deutschland bewährt und wurde jetzt auch seitens der Uefa für die EURO 2008 in Österreich und der Schweiz ausgesprochen", erklärte DFB-Generalsekretär Wolfgang Niersbach. Während der WM 2006 in Deutschland war der Slogan "No Smoking, Please" ausgegeben worden, der auch in sämtlichen WM-Stadien beworben wurde. In einem Spot machten sich unter anderem Nationalmannschaftskapitän Michael Ballack sowie die Nationalspieler Lucio (Brasilien), Owen Hargreaves (England) und Roque Santa Cruz (Paraguay) für den Nichtraucherschutz im Stadion stark.
Rüffel aus dem Bundestag
Angesichts der Bilder vom rauchenden Bundestrainer hat der Bundestagsabgeordnete Lothar Binding den Coach an seine Vorbildfunktion erinnert. "Mit der Macht, die Herr Löw durch seine Vorbildfunktion hat, sollte er sich auch seiner Verantwortung bewusst werden - nicht zuletzt für die Gesundheit von Jugendlichen", erklärte Binding am Freitag in Berlin auf Anfrage. Der SPD-Politiker gehört seit Jahren zu den entschiedensten Verfechtern weitgehender Rauchverbote. "Vernünftigerweise schließen sich Sport und Rauchen aus, aber ein Raucher als Vorbild vieler junger Menschen ist ein Widerspruch in sich", sagte Binding. So stelle sich nun die die Frage, "ob Jogi Löw Trainer, Sportler oder Raucher ist".
amz/AP/sid