Geständnis im Fall Metzler: "Jakob, jetzt wird es Ernst" - DER SPIEGEL
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Geständnis im Fall Metzler "Jakob, jetzt wird es Ernst"

Der Angeklagte im Entführungs- und Mordfall Jakob von Metzler hat vor dem Frankfurter Landgericht die Tat in allen Einzelheiten geschildert. Den Tod des Elfjährigen will er nicht geplant haben.
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Frankfurt am Main - Am 27. September 2002 habe er den Jungen alleine vor dessen Schule angetroffen und ihm gesagt, dass seine Schwester eine Jacke bei ihm vergessen habe, die er nun mitnehmen könne. Auf dem Weg in die Wohnung des angehenden Juristen unterhielten sich die beiden der Aussage zufolge noch über die anstehenden Schulferien.

Er habe die ganze Zeit gehofft, dass noch irgendetwas dazwischen kommen und ihn von seiner Tat abbringen werde, sagte Magnus Gäfgen. Selbst nach der Ankunft in der Wohnung habe er noch gehofft, dass Jakob wieder von alleine gehe. Dann aber habe er zum Klebeband gegriffen und dem Jungen im Wohnzimmer den Mund verklebt. "Er hat mich fragend angeguckt und vielleicht gedacht, es ist ein Spiel oder ein Witz", erzählte der Angeklagte. Dann habe er den Elfjährigen mit sanfter Gewalt auf den Boden gelegt und zu ihm gesagt: "Jakob, es wird Ernst. Du musst keine Angst haben. Du musst ruhig bleiben, dann passiert dir nichts."

"Ich brauchte Ruhe"

Anschließend fesselte der Angeklagte dem Jungen mit dem Klebeband auch die Hände und Füße. Jakob habe angefangen, sich heftig zu wehren, zu winden und zu schreien. "Es sollte eine Entführung sein, die zu keinem Zeitpunkt tödlich endet", sagte der Angeklagte. Mit der heftigen Gegenwehr des Jungen habe er bei der lang geplanten Entführung nicht gerechnet, berichtete der 28 Jahre alte Jura-Student unter Tränen. "In meinem Plan war vorgesehen, dass er Ruhe gibt. Ich musste diese Ruhe haben." Deshalb habe er Jakob gewürgt, geschüttelt und weitere Klebestreifen über den Mund und etwas später auch über die Nase gelegt. Er habe seine Hand auf das Gesicht des Kleinen gepresst und ihn wohl auch noch einmal geschlagen. Danach habe er Kopf an Kopf bei ihm gelegen und seine Hand auf sein Gesicht gedrückt. "Da ist es ruhig geworden", sagte Gäfgen.

Er habe zu diesem Zeitpunkt noch nicht gewusst, ob der Junge tot gewesen sei und auch gar nicht darüber nachgedacht. Er habe einfach seinen Plan weiterverfolgt, den Jungen ins Badezimmer geschleppt, ihn nackt ausgezogen und abgeduscht. Anschließend habe er Wasser in die Badewanne einlaufen lassen. "Ich habe ihn noch einmal unter Wasser gedrückt, ob er noch atmete. Es sind dann noch Luftblasen entwichen." Dann habe er die Zimmertüren auf- und zugemacht, um zu prüfen, ob der Junge noch reagiere.

Schließlich zog Gäfgen dem Jungen zwei Müllbeutel über. "Ich konnte ihn nicht mehr ansehen", sagte der Angeklagte. Er habe die Leiche in einen Bettbezug gewickelt und in den Kofferraum seines Autos gelegt. Dort habe er auch die Schreibmaschine hineingelegt, auf der er schon Wochen zuvor das Erpresserschreiben geschrieben habe.

Finanzielle Probleme

Gäfgen, der am Freitag 28 Jahre alt wurde, legte sein erneutes Geständnis ab, nachdem seine ersten Aussagen vor Polizei, Staatsanwaltschaft und einer Ermittlungsrichterin wegen der Androhung von Folterungen für "null und nichtig" erklärt worden waren. Von dem Geständnis verspricht sich die Verteidigung ein milderes Urteil ohne den Vorwurf der besonderen Schwere der Schuld. Damit könnte eine lebenslange Haftstrafe bereits nach 15 Jahren erstmals überprüft werden.

Mit dem Verbrechen habe er "auf einen Schlag" seine finanziellen Probleme lösen wollen, die sich in den Monaten vor der Tat immer stärker zugespitzt hätten. Er wisse genau, was er getan habe und dass er "die volle und alleinige Schuld trage. Glauben Sie mir, ich wäre der Erste, der sein Leben geben würde, wenn Jakob seins zurückbekommen könnte."

Wegen seiner Erfahrungen aus der Jugendarbeit sei er überzeugt gewesen, Jakob ohne Gewalt unter Kontrolle bringen zu können. Nach der Übergabe des Lösegelds von einer Million Euro habe er den Jungen so betrunken machen wollen, dass er einen "Filmriss" erleide und sich an nichts erinnere. Dann habe er sein Opfer in Offenbach freilassen wollen.

Hohe Ansprüche der Freundin

Der Student aus kleinbürgerlichen Verhältnissen schilderte vor Gericht, wie er die materiellen Ansprüche seiner Freundin befriedigen und im Kreis seiner weit wohlhabenderen Freunde mithalten wollte. Seine ständig wachsenden Schulden mochte er unter keinen Umständen offenbaren: "Ich war mir sehr sicher, dass ich meinen Freundeskreis und meine Freundin verlieren würde." Er bezeichnete das zwölf Jahre jüngere Mädchen als "die große Liebe meines Lebens".

Die Familie von Metzler habe er ausgesucht, weil er die beiden Geschwister Jakobs kannte und die Familie mit dem finanziellen Schaden von einer Million Euro nicht ruiniert worden wäre. Obwohl es heute aus seinem Mund sehr merkwürdig klinge, habe er möglichst wenig Schaden anrichten wollen. Er sei kein gewalttätiger Mensch. Auf der einen Seite sei ihm das Unrecht seines Plans bewusst gewesen, auf der anderen habe sich das Verbrechen als einziger Weg zur Lösung seiner Probleme dargestellt.

Sein unvorsichtiges Vorgehen nach dem Verstecken der Leiche begründete Gäfgen mit dem Wunsch, von der Polizei festgenommen zu werden. Er habe sich nicht selbst stellen können. Nach der Tat habe er sich einfach an den Plan gehalten, der sein einziger Halt gewesen sei. Bei der Geldübergabe im Frankfurter Stadtwald habe er die Polizei bemerkt. Um seiner Freundin noch einmal einen schönen Tag bieten zu können, hätten sich die beiden unter anderem einen Mercedes-Sportwagen bestellt.

Sich selbst nannte der Angeklagte "feige" und "angepasst", "unsicher" und "zaghaft". In seiner Jugend habe er sich rückblickend betrachtet selbst nicht leiden können. Seine Mutter sei sehr liebevoll gewesen, sein Vater eher einzelgängerisch und sparsam, so dass er kein Verständnis für die Wünsche der beiden Söhne gehabt habe. Sein gesamtes Leben hat er in Frankfurt verbracht und dieselbe Schule besucht wie nach ihm die drei Metzler-Kinder.

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