Gestohlene Meisterwerke: Schlechter gesichert als ein Schnapsladen - DER SPIEGEL
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Gestohlene Meisterwerke Schlechter gesichert als ein Schnapsladen

Der Überfall auf das Osloer Munch-Museum hat offenbart, wie ungesichert viele der weltberühmtesten Gemäldesammlungen tatsächlich sind. Immer wieder gelingen deswegen Kunstganoven spektakuläre Coups.
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Kopenhagen - Die Besucher der Osloer Munch-Sammlung waren beim Anblick der maskierten Männer völlig überrascht: Kein Alarm war ertönt. Und es schellte auch keine Alarmglocke, als die Täter die Bilder einfach von den Wänden abrissen. Stattdessen ging ein stiller Alarm bei der Osloer Polizei ein, die ganze 15 Minuten später am Tatort erschien - zu spät, die Täter waren längst mit einem Wagen geflüchtet.

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Geraubte Bilder: Die Kunst des Stehlens

Foto: AP

Am Tag nach dem Überfall nimmt die Kritik an den mangelnden Sicherheitsvorkehrungen für die nationalen Kunstschätzen zu: Die Wachleute des Museums waren nicht bewaffnet, die Bilder, deren Wert als unschätzbar bezeichnet wird, waren nicht einmal gegen Diebstahl versichert. "Fast so einfach, wie einen Kiosk zu überfallen", titelte die Tagszeitung "Aftenposten".

Dabei war eine andere Version des "Schreis" bereits vor zehn Jahren schon einmal gestohlen worden. Die Diebe hatten einfach ein Fenster der Nationalgalerie eingeschlagen, um in das Gebäude zu gelangen. Den Wert des jetzt geraubten Bildnisses schätzen Experten auf 450 Millionen Kronen (54 Millionen Euro). Sowohl der "Schrei" als auch das andere geraubte Munch-Bild "Madonna" gelten als unverkäuflich.

Doch dass wertvolle Kunstobjekte oft unzureichend geschützt sind, ist den Verantwortlichen eigentlich seit längerem klar. So büßte im benachbarten Dänemark im Januar 1999 die Kunstsammlung von Nivagaard nördlich von Kopenhagen ihre beiden besten Stücke ein: Diebe spazierten gemütlich in das Museum, das lediglich eine Alarmanlage zum Schutz der Eintrittskasse besaß, und nahmen ein Frauenporträt Rembrandts sowie ein Männerbildnis des Renaissance-Malers Giovanni Bellini mit. Im Inneren des Museums hatte es weder Videokamera, Aufseher noch Alarmklingel gegeben.

Im August desselben Jahres wurden die Gemälde schließlich nach Hinweisen aus der Kunstszene wiedergefunden und die Ganoven gefasst. Nach dem Vorfall setzte in dem Königreich eine Debatte darüber ein, wie man seine Museen besser schützen könnte. Bis dahin waren die meisten dänischen Schnapsläden mit ihren Überwachungskameras besser vor Dieben gesichert als die nationalen Kunstschätze.

Zwar werden die Täter häufig überführt und die Kunstwerke sichergestellt. Doch bei ihren Beutezügen gehen die Diebe meist mit brachialer Gewalt vor. Nicht selten werden die Gemälde dabei beschädigt. Trotz dieser Gefahr sind die Hüter der mehrere Millionen Euro teuren Bilder mehr als sorglos - nicht nur in skandinavischen Ländern:

  • Im Oktober 1994 brechen Gauner in eine private Kunstgalerie in Zürich ein und stehlen acht wertvolle Picassos. Die Täter werden zwei Jahre später verhaftet, die Bilder bleiben dagegen noch Jahre verschollen. Schon drei Jahre zuvor waren aus derselben Galerie zwei Picassos gestohlen worden. Der Besitzer hatte es auch nach dem ersten Überfall abgelehnt, seine Kunstwerke zu versichern.
  • Im Dezember 2000 rauben schwerbewaffnete Gangster aus dem Nationalmuseum in Stockholm drei Ölgemälde - einen Rembrandt und zwei Werke von Auguste Renoir. Die Täter versuchen ein Lösegeld zu erpressen. Ab Januar 2001 werden mehrere Verdächtige festgenommen.
  • Im August 2001 dringen vier maskierte Männer in das Haus einer spanischen Milliardärin ein, schlagen einen Wachmann nieder, schalten die Alarmanlage aus und entwenden 19 Gemälde bekannter Maler. Die Werke von Francisco de Goya, Pieter Breughel und Camille Pissarro werden bis zum September 2002 sichergestellt.
  • Im August 2003 geben sich auf Schloss Dumlanring in Südschottland zwei Diebe als Besucher aus und stehlen das Da-Vinci-Gemälde "Madonna mit der Spindel". Der Wert des Original-Bildes wird auf bis zu 70 Millionen Euro geschätzt. Nach Angaben eines Kunstexperten sei aber möglicherweise nur eine "billige Kopie" gestohlen worden. Deren Wert: 140.000 Euro.
  • Aber auch in Deutschland machen unzureichende Sicherheitsvorkehrungen Dieben oft das Leben leicht. Im April 2002 stehlen Einbrecher neun Werke der Expressionisten Erich Heckel, Emil Nolde, Ernst-Ludwig Kircher und Max Pechstein aus dem Berliner Brücke-Museum. Die Gemälde werden einen Monat später in einer Wohnung in Berlin sichergestellt. Ein Bild Pechsteins hatten die Täter in zwei Hälften geschnitten und dabei einen Schaden von etwa 250.000 Euro angerichtet. Einer der Kunsträuber wird zu einer Haftstrafe von fünf Jahren und sechs Monaten verurteilt.
Roman Heflik