Gewaltverbecher Schmökel Wie vom Erdboden verschluckt
Strausberg - Mit Hundestaffeln aus ganz Brandenburg und Hubschraubern durchkämmen die Polizisten alte Kasernen und Bunker sowie eine Mülldeponie nahe Strausburg bei Berlin.
Die Ermittler gehen davon aus, dass sich der Gesuchte noch in der Region aufhält. Aus der Bevölkerung gingen 470 Hinweise ein, eine heiße Spur war laut Polizei allerdings nicht darunter. Auch die 13 Spürhunde konnten keine Witterung aufnehmen. "Es ist bekannt, dass Schmökel sich tagelang von Würmern und Schnecken ernähren kann", berichtet Einsatzleiter Jörg Reß.
Unterdessen entwickelt sich Schmökels Flucht aus dem Maßregelvollzug zu einer politischen Affäre für Brandenburgs Landesregierung.
Sollte die eingesetzte Untersuchungskommission zu dem Schluss kommen, dass die Bestimmungen zum Maßregelvollzug unzureichend sind, werde er die politische Verantwortung übernehmen, sagte Staatssekretär Herwig Schirmer. Ihm obliegt im Potsdamer Sozialministerium die Fachaufsicht. Zurzeit denke er jedoch nicht daran, seinen Rücktritt anzubieten.
Die Staatsanwaltschaft Neuruppin überprüft derweil, ob die so genannten Lockerungsgenehmigungen der Ärzte für den in der dortigen Nervenklinik untergebrachten Triebtäter korrekt waren. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt (Oder) leitete dagegen ein Ermittlungsverfahren gegen die beiden Pfleger ein, die eine Zigarettenpause eingelegt hatten, als Schmökel am vergangenen Mittwoch seine Mutter in seiner Heimatstadt Strausberg besuchte. Mit nur noch einem Begleiter und der Mutter allein gelassen, stach der 38-Jährige den Pfleger nieder und verletzte ihn lebensgefährlich.
Noch in dieser Woche werde eine Expertenkommission beginnen, den Fall und seine Folgen genau zu untersuchen, kündigte Sozialminister Alwin Ziel (SPD) an.
Staatssekretär Schirmer stellte sich vor die Mitarbeiter der Nervenklinik. Schmökel und seine Mutter hätten vor längerem den Wunsch geäußert, sich zu sehen, berichtete Schirmer. Daraufhin sei Schmökel die strengste Form des Ausgangs genehmigt worden. Nach dreijähriger Beobachtung Schmökels habe das Personal eine verantwortbare Entscheidung getroffen.
Schmökel stand in den vergangenen zwölf Jahren dreimal wegen Sexualverbrechen vor Gericht. Zuletzt wurde er 1995 wegen mehrfachen sexuellen Missbrauchs von Kindern und versuchten Mordes zu 14 Jahren Haft verurteilt. Der über 1,90 Meter große Mann ist bereits sechsmal geflohen.