Gift-Briefe Rizin-Attacke auf das Weiße Haus
Washington - Der Vorfall soll sich schon im vergangenen November ereignet haben. Bekannt wurde er jedoch erst jetzt im Zuge der Ermittlungen über den Gift-Brief an das Büro des Chefs der Republikaner im Senat, Bill Frist. Eine Gefahr für Bush habe jedoch nicht bestanden, weil das Rizin in Körnerform eine zu schwache Konzentration gehabt habe.
Im vergangenen Oktober wurde eine Sendung mit Rizin auch in Greenville in South Carolina sichergestellt. Die darin enthaltene Substanz ähnelte der an das Weiße Haus entsandten sehr stark. In Begleitschreiben wurden jeweils die neuen Bestimmungen über Ruhezeiten für Fernfahrer angeprangert, wie der Polizeibeamte weiter mitteilte.
Der Rizin-Fund in dem Brief an Senator Frist wurde gestern Nachmittag in Washington nach zahlreichen Tests bestätigt. Frist teilte selbst mit, dass die Prüfung der verdächtigen Proben im Fort Detrick-Armeelabor in Maryland die Giftigkeit bestätigt hätten. Der "terroristische Akt... hat das Ziel gehabt, Schaden anzurichten", sagte der Senator. Glücklicherweise sei aber offensichtlich niemand verletzt worden, da das Gift, gegen das es kein Gegenmedikament gibt, inhaliert werden oder in die Blutbahn geraten müsse, um tödlich zu wirken.
Aus Sicherheitsgründen waren gestern drei Senatsgebäude gesperrt worden. Mehrere Hearings auf dem Kapitol - Sitz des Senats und des Repräsentantenhauses - waren gestrichen worden. In einem Postamt in Wallingford im Bundesstaat Connecticut waren ebenfalls Briefe mit verdächtigem Pulver entdeckt worden. Über diesen Fund gab es bislang noch keine klare Auskunft.
Schon ein tausendstel Gramm von Rizin gilt als tödlich. Es kann über die Nahrung, eine Injektion oder durch das Einatmen in den Körper gelangen. Die 16 Mitarbeiter der Senats-Poststelle waren nach dem Fund des verdächtigen Pulvers am Montag eingehend untersucht worden. "Es geht allen gut, es gibt keinen Grund zur Panik", sagte Frist, ein ausgebildeter Chirurg. Wenn nach acht Stunden keine Symptome erkennbar seien, sei eine Infizierung unwahrscheinlich.
Gestern durfte nur unabkömmliches Personal in die Kapitol-Gebäude. Tausende Angestellte mussten von zu Hause aus arbeiten. Vor gut zwei Jahren war das Kapitol schon einmal Ziel einer Giftattacke: Kurz nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 erhielt Frists Vorgänger als Mehrheitsführer im Senat, der Demokrat Tom Daschle, mit dem Milzbrand-Erreger Anthrax verseuchte Post. Ähnliche Schreiben gingen an andere Politiker und Journalisten. Fünf Menschen, die meisten von ihnen Postangestellte, starben damals, 13 infizierten sich, erholten sich aber. Die Urheber wurden nie gefasst.