Gleitschirm-Unglück "Unglaublich, dass Ewa das überlebt hat"
SPIEGEL ONLINE: Wie geht es Ewa Wisnierska?
Wenness: Erstaunlich gut. Sie war gerade einmal eine Stunde lang im Krankenhaus. Dass sie dieses Unglück überhaupt überlebt hat, ist unglaublich. Jetzt schläft sie allerdings, sie muss sich erholen.
SPIEGEL ONLINE: Welche Verletzungen hat sie davongetragen?
Wenness: Ewa hat leichte Erfrierungen an den Händen und Knien. Dass ihr Gesicht nicht völlig eingefroren ist, kann man als Wunder bezeichnen.
SPIEGEL ONLINE: Wie hoch hat der Sturm sie getragen?
Wenness: Alle Piloten tragen während der Flüge einen GPS-Empfänger, wir können die Routen also sehr genau nachvollziehen. Ewa hat eine Höhe von exakt 9946 Metern erreicht, dort fliegen normalerweise Passagierjets.
SPIEGEL ONLINE: Die Luft ist sehr dünn dort oben.
Wenness: Ja, Ewa war vermutlich etwa 30 Minuten lang bewusstlos. Das konnten wir aufgrund ihrer Schilderungen ungefähr nachvollziehen.
SPIEGEL ONLINE: Gab es ähnliche Vorfälle in der Geschichte Ihres Sports?
Wenness: Zwei Mal ist etwas Ähnliches passiert. Vor fünf Jahren sind zwei Gleitschirm-Piloten in Kroatien von einem Sturm überrascht worden, der sie in etwa sechs Kilometer Höhe getrieben hat. Einer starb, der andere hat das Unglück überlebt.
SPIEGEL ONLINE: Und der andere Fall?
Wenness: Anfang der neunziger Jahre kamen sieben Drachenflieger in den italienischen Alpen in ein Unwetter.
SPIEGEL ONLINE: Was ist mit ihnen passiert?
Wenness: Sie sind gemeinsam gestartet, später fand man sie allerdings in einem Umkreis von 50 Kilometern. Sie waren alle tot.
Die Fragen stellte Jens Todt