Gotthard-Tunnel Autos nur noch Metallklumpen
Airolo - Mit dem Beginn der eigentlichen Bergungsarbeiten wird am Montag das ganze Ausmaß der Tragödie im Schweizer Gotthard-Tunnel deutlich werden. Nachdem bis zum Samstag rund 300 Einsatzkräfte über 200 Meter die verrußte und durch das Inferno absturzgefährdete Deckenkonstruktion abgestützt und gesichert hatten, sollen nun die letzten Fahrzeuge identifiziert werden. Auch die Suche nach weiteren Opfern wird fortgeführt. Bislang wurden elf Tote gezählt. Doch wurde am Wochenende nicht damit gerechnet, dass sich diese Zahl noch drastisch verändert. Die Staatsanwaltschaft hat Ermittlungen aufgenommen, unter anderem wegen fahrlässiger Tötung.
Die entkräfteten Einsatzkräfte legten am Sonntag eine Pause ein. Einige nahmen zusammen mit etwa 400 anderen Menschen in Airolo an einem Gedenkgottesdienst für die Opfer des Unglücks teil. Angesichts des Schmerzes gebe es nur eine Antwort: Solidarität und Gemeinschaft, sagte der Bischof von Lugano, Giuseppe Torti. Er betete für die Opfer und deren Angehörige und dankte den Feuerwehrleuten und anderen Helfern.
Montblanc-Tunnel nur Einbahnstrecke
Da der Gotthard-Tunnel noch monatelang geschlossen bleiben wird, wurde europaweit über Ausweichmöglichkeiten für die Schwerverkehr von Nord nach Süd gesucht. Der ebenfalls wegen eines Unfalls gesperrte Montblanc-Tunnel zwischen Frankreich und Italien soll nun schon am 15. Dezember wieder für Personenwagen freigegeben werden, allerdings nur als Einbahnstrecke. In welche Richtung, steht noch nicht fest.
Die Entscheidung für die Wiederöffnung des Montblanc-Tunnels mehr als zweieinhalb Jahre nach der dortigen Brandkatastrophe mit 39 Toten fiel nach einem Treffen des französischen Verkehrsministers Jean-Claude Gayssot mit seinem italienischen Amtskollegen Pietro Lunardi. Lastwagen dürfen aber erst ab Anfang 2002 den Tunnel durchfahren. Für sie gilt dann ein Überholverbot, alle Autos dürfen nicht schneller als 70 Stundenkilometer fahren.
Deutschland investiert in Tunnel-Sicherheit
Während der Verkehr in der Schweiz am Wochenende verhältnismäßig ruhig lief, gab es am Brennerpass in Österreich zehn Kilometer lange Staus vor allem von Lastwagen, die in Richtung Norden wollten. Die Bahnen haben ihre Transportkapazitäten sowohl für den Personen als auch für den Lkw-Verkehr stark ausgeweitet und sind bereit, von Montag an den erwarteten neuen starken Andrang mit zusätzlichen Zügen aufzufangen.
Deutschland will in den nächsten Jahren 660 Millionen Mark in die Sicherheit von Straßenverkehrstunneln investieren. Allein im nächsten Jahr würden dafür 30 Millionen Mark ausgegeben, sagte Bundesverkehrsminister Kurt Bodewig (SPD) der "Bild am Sonntag". Verbessert werden müssten vor allem die Brand- und Störfallerkennung sowie die automatische Sperrung von Tunneln im Notfall.
Zahl der Vermissten gesunken
In den schweren Unfall vom vergangenen Mittwoch waren weniger Autos verwickelt als zunächst befürchtet. Statt der zunächst geschätzten bis zu 100 Fahrzeuge sind nur noch 23 in der ausgeglühten etwa 250 Meter langen Unfallzone in dem 16,3 Kilometer langen Alpentunnel. Zwölf Fahrzeuge befinden sich unmittelbar um die zusammengeprallten Lastwagen. Doch deren Insassen konnten sich nach Augenzeugenberichten vermutlich retten. In einem der Unglücks-Lkw wird jedoch der Fahrer vermutet, dessen Lkw das Drama ausgelöst hat. Der andere, ein Italiener, konnte sich retten. Die Zahl der Vermissten sank im Laufe des Wochenendes auf 65.
Sollten noch Menschen in den zwölf Fahrzeugen gewesen sein, wären sie zur Unkenntlichkeit verbrannt, hieß es. Die Fahrzeuge bestünden nur noch aus Metallklumpen. Für die Arbeiten von Polizei und Spezialisten sind zwei bis drei Wochen eingeplant. Vom 19. November an sollen die beschädigten Tunnelabschnitte repariert werden.