Grabstreit-Urteil: Gemeinde muss Sarg tiefer legen - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Grabstreit-Urteil Gemeinde muss Sarg tiefer legen

Die Kirchengemeinde Martfeld muss dafür sorgen, dass der Sarg des verstorbenen Hans Grieme aus seiner bisherigen Schieflage in die Horizontale gelegt wird. Darauf einigten sich der Pastor und die Witwe vor dem Verwaltungsgericht Hannover.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Hannover/Martfeld - Die Witwe, Hannelore Grieme, hatte das Gericht angerufen: Wegen einer Betonplatte im Boden liege der Sarg ihres Mannes nicht tief genug und schräg in der Erde. Der Richter brachte die beiden Parteien zu einem Vergleich.

Danach muss die Kirchengemeinde Martfeld das Grab öffnen und mit "ortsüblichen Mitteln" versuchen, es auf die nötige Tiefe zu bringen. Gelingt dies nicht, wird der Sarg an einer anderen zuvor vorbereiteten Stelle des Familiengrabes beigesetzt. Die Arbeiten und drei Viertel der Verfahrenskosten bezahlt die Kirchengemeinde.

Der Streit um die Beerdigung auf dem Feld 60 A des Friedhofes in Martfeld begann im Oktober 1998. Damals war beim Aufstellen des Grabsteins der Steinsetzer auf den Sargdeckel gestoßen - im Beisein von Witwe Hannelore und Tochter Traute. Später ergaben Messungen, dass das Kopfende 27 Zentimeter und das Fußende 38 Zentimeter unter der Erde liegen. Die Friedhofsordnung schreibt aber mindestens 90 Zentimeter vor.

Bei der Verhandlung vor Gericht rangen Witwe und Tochter, unterstützt von ihrem Anwalt, um jede Zeile des Sechs-Punkte-Vergleichs. "Das Misstrauen gegen den Pastor sitzt tief", sagte Hannelore Grieme. Zunächst hatte es die seit langem in Martfeld ansässige Familie - das Grab ist seit 1906 in Familienbesitz - im Guten versucht, kam damit aber nicht weiter. Deshalb gingen sie zum Rechtsanwalt und schließlich zum Verwaltungsgericht. Familie Grieme ist inzwischen aus der Kirche ausgetreten und hat mit Pastor Horst Wortmann, der seit rund 20 Jahren im Nachbarhaus wohnt, gebrochen.

Bis zum April hat die Kirchengemeinde nun Zeit, den Sarg umzubetten. Um Griemes Totenruhe nicht zu stören, wird der Sarg zunächst von der einen Grube in die gleich daneben liegende geschoben oder gehoben - je nach Zustand. "Solange er dort unten ist, soll er auch dort unten bleiben", betonte der Richter.