Grand Prix Zoff um deutsche Vorauswahl
Hannover/Hamburg - Rudolph Moshammer ist samt Hündchen dabei und Container-Zlatko auch. Am 2. März trällern die beiden um die Wette - bei der deutschen Vorentscheidung zum Grand Prix d'Eurovision. Heute begannen in Hannover die Proben für das Schlagerspektakel.
Schon im Vorfeld sorgt die Veranstaltung für reichlich Zündstoff. Vielen ist das Programm zu seicht. Mit dem, was in Hannover geboten werde, werde sich Deutschland am 12. Mai in Kopenhagen beim Eurovision Song Contest bis auf die Knochen blamieren, so die Kritik.
Für Zoff sorgte vor allem der angebliche Auftritt einer weiblichen Nacktband, die zu einer Telefonsex-Melodie strippen wollte. Als die Medien über den Erotik-Song berichteten, lud der Norddeutsche Rundfunk, Organisator und Ausrichter des Vorentscheids, die "Liebesraketen" kurzerhand aus. Der zuständige NDR-Verantwortliche Jürgen Meier-Beer zu SPIEGEL ONLINE: "Die Vertrauensgrundlage war zerstört." Der Auftritt sei so vorher nicht abgesprochen worden.
Inzwischen mehren sich die Stimmen, die den alten schönen Schlagerzeiten hinterhertrauern. Am Wochenende ließ Schlager-Ikone Udo Jürgens, 66, in einer Zeitung verkünden, die Deutschen machten sich in Europa "zu Deppen". Eine "derartige Verblödung der Musikszene" fände in keinem anderen Land der Welt statt. Nur in Deutschland träten Container-Künstler und Modedesigner an. Er fühle sich als "Musiker langsam verarscht", so Udo Jürgens.
Selbst für den Nussecken-"Meister", Ulk-Sänger Guildo Horn, ist die Grenze des guten Geschmacks überschritten: In der "Bild"-Zeitung gesteht er reumütig: "Wenn ich mir anschaue, was da in diesem Jahr abgeht, kann ich nur sagen: Das habe ich nicht gewollt." 1998 hatte Horn die Schlagergemeinde mit seinem Song "Piep, piep, piep, Guido hat euch lieb" selbst tief gespalten.
Grand-Prix-Organisator Meier-Beer versteht die ganze Aufregung nicht. "Ich halte die Diskussion für verzerrt, verlogen und dämlich." In der Presse werde ausschließlich über einige wenige Beiträge berichtet, so Meier-Beer. In der Darstellung "gibt es eine Verzerrung", die nicht die gesamte Palette der Interpreten wiedergebe. Zudem hätten die Zuschauer am Freitag die Möglichkeit, selbst zu entscheiden, wer sie in Kopenhagen vertrete.
Dass die diesjährige deutsche Auswahl zum Schlager-Grand-Prix dem musikalischen Ansehen im Ausland schaden könnte, hält Meier-Beer für abwegig. Selbst im vergangenen Jahr habe man gut abgeschnitten, als Deutschland von Blödel-Barde Stefan Raab mit dem Titel "Wadde hadde du de da" vertreten wurde.