Griechenland: Brand auf Fähre in Adria - DER SPIEGEL
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Griechenland Mehr als 200 Menschen sitzen auf brennender Fähre fest

Vor der Küste Griechenlands ist auf einer Autofähre mit Hunderten Passagieren an Bord Feuer ausgebrochen. Das Schiff hat Schlagseite, hohe Wellen und Sturm behindern die Rettungsarbeiten.
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Athen - Auf einer Autofähre mit 411 Passagieren und 56 Besatzungsmitgliedern an Bord ist vor der Küste Griechenlands Feuer ausgebrochen. Etwa 200 Menschen haben das Schiff der griechischen Linie ANEK offenbar verlassen können, die übrigen sitzen noch immer auf der brennenden Fähre fest. Hohe Wellen und Wind bis Stärke 8 behindern die Evakuierung. Der Sender Skai berichtete von Passagieren, die in Panik ins Wasser gesprungen seien.

Bislang gibt es noch keine offiziellen Angaben über mögliche Verletzte oder Todesopfer. Behördenangaben zufolge droht das Schiff momentan nicht zu sinken. "Es ist eine schwierige und sehr komplexe Rettungsmission", sagte Griechenlands Minister für die Handelsschifffahrt, Miltiadis Varvitsiotis. "Es herrscht schlechte Sicht und die Wetterbedingungen sind ungünstig."

Die "Norman Atlantic" hatte den Hafen im griechischen Patras um 5.30 Uhr (4.30 Uhr MEZ) in Richtung der italienischen Stadt Ancona verlassen. 33 Seemeilen (gut 60 Kilometer) von der kleinen Insel Othonoi entfernt sendete die Besatzung ein Notsignal.

Zum Brand kam es offenbar auf dem Autodeck mit rund 200 Fahrzeugen. Die Hitze breitete sich aber schnell bis zum Passagierdeck aus. "Unsere Schuhsohlen begannen zu schmelzen", sagte ein bereits geretteter Passagier dem griechischen TV-Sender Mega.

Gegen 8 Uhr waren etwa 55 Menschen auf ein anderes Schiff gebracht worden, 150 weitere saßen in einem Rettungsboot. Mehrere Schiffe hatten auf das Notsignal reagiert und waren zum Ort des Unglücks geeilt.

Augenzeugenberichte per Handy

Insassen der Fähre meldeten sich inzwischen per Handy und schilderten griechischen Medien ihre Notlage. "Niemand kann etwas machen", sagte ein Mann an Bord dem Radiosender Skai. Die herbeigerufenen Schiffe kämen wegen der schweren See nicht heran. "Wir sehen fast nichts mehr vor Rauch. Wir werden verbrennen wie die Mäuse", sagte der Passagier. Weitere griechische Medien berichteten, Rettungsboote seien abgetrieben worden, bevor Menschen hätten einsteigen können.

Ein Passagier berichtete telefonisch, es gebe ein großes Feuer mit starkem Rauch. Das Schiff habe Schlagseite, der Platz für die Überlebenden sei knapp. "Die Leute sind verzweifelt und schreien" sagte ein weiterer Zeuge im Fernsehen.

"Sie haben versucht, einige Rettungsboote zu Wasser zu lassen, aber nicht alle von uns passten hinein", zitiert die Nachrichtenagentur Reuters einen anderen Passagier, der mit dem griechischen Fernsehen telefoniert habe. "Es ist dunkel, unten im Schiff brennt es. Wir sind oben auf der Brücke, und wir können ein Boot sehen, das sich nähert. Wir haben Kisten geöffnet und Rettungswesten herausgenommen. Wir versuchen, uns zu retten."

Nach den Worten des griechischen Verteidigungsministers Nikos Dendias wird die Rettungsaktion von Italien aus koordiniert. Hubschrauber seien auf dem Weg, könnten aber nur unterstützen und keine Passagiere aufnehmen. Neben sieben Schiffen aus der Gegend ist auch eine Militärmaschine vom Typ Lockheed C-130 an der Rettungsmission beteiligt.

Die Autofähre "Norman Atlantic" ist nach Angaben des Tracking-Portals "Marinetraffic.com" 187 Meter lang und 26 Meter breit . Gebaut wurde das Schiff mit einer Ladekapazität von 7800 Tonnen im Jahr 2009.

rls/heb/dpa/Reuters