Grippewelle: Wie Sie sich schützen können - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Grippewelle Wie Sie sich schützen können

Kommt die Grippewelle von England nach Deutschland? SPIEGEL ONLINE sprach mit zwei Experten, die vor allem eines raten: Impfen lassen!
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Hamburg - Nachdem in England bereits die ersten Todesopfer vermeldet wurden, steigt auch hierzulande die Besorgnis. Bisher gibt es nur lokale Ausbrüche der Influenza vor allem im Süden Deutschlands. Auch in einigen norddeutschen Städten seien Grippeherde ausgemacht worden, berichtet das Nationale Referenzzentrum für Influenza in Hannover.

Eine richtige Epidemie können die Experten noch nicht erkennen. "Wir beobachten den normalen Anstieg an Grippeerkrankungen", sagt Professor Rainer Laufs, Direktor des Instituts für Mikrobiologie am Universitätskrankenhaus Eppendorf in Hamburg. "Bei dem Erreger handelt es sich um den Typ Moskau", sagt er. "Dieser wurde bereits letzten Winter in Russland isoliert. Die Impfstoffe gibt es daher auch schon über ein Jahr."

Die Deutschen sind allerdings impffaul: Nur 18 Prozent lassen sich gewöhnlich impfen, und das, obwohl "die Grippeimpfung eine der unschädlichsten überhaupt ist", schimpft Laufs. Er hat sein gesamtes Personal immunisieren lassen, er selbst trägt in der U-Bahn einen Mundschutz. "Die Leute rücken zwar von mir ab, aber das ist der sicherste Weg, nicht durch Tröpfchen infiziert zu werden", sagt er. Den Mundschutz gibt es in allen Drogerien und Apotheken.

Normalerweise werden die Impfungen im Herbst durchgeführt, bevor die jährliche Grippewelle zuschlägt. Doch wer noch nicht geimpft ist, kann dies nachholen. "Impfen hilft immer", sagt Professor Gottfried Mauff, Leiter des Impfzentrums am Hygiene-Institut Hamburg. Der vollständige Schutz setzt etwa ein bis zwei Wochen nach der Impfung ein. Doch selbst eine Impfung während der dreitägigen Inkubationszeit, nachdem man sich das Virus gefangen hat, kann die Krankheit noch abmildern, sagt Mauff. Wer allerdings schon die Symptome zeige - Schwäche, Fieber, Muskel- und Kopfschmerzen -, dem helfe nur strikte Bettruhe. Nach fünf bis sieben Tagen sei der Spuk dann vorbei. Auf keinen Fall solle man sich zur Arbeit schleppen - und das Virus weitergeben.

Besonders gefährdet sind alte Menschen und solche, die bereits durch andere Krankheiten geschwächt sind. Bei ihnen kann die Infektion zur Lungenentzündung und zum Tod führen. Doch in England erreichte das Virus alle Altersgruppen. Dass in Deutschland eine derartige Krise ausbrechen wird, glauben die Experten nicht. Zu diesem Zeitpunkt könne allerdings niemand sicher sein. "Die Voraussetzungen sind von Land zu Land verschieden", sagt Mauff. Impfraten, Widerstandsfähigkeit und eine Reihe anderer Variablen bestimmten die Verbreitung eines Erregers. "Die Epidemologen können oft nicht erklären, warum ein Virus in einem Land wütet und in einem anderen nicht", sagt Mauff.