Großbritannien: Krach um Outing von Kinderschändern - DER SPIEGEL
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Großbritannien Krach um Outing von Kinderschändern

Trotz wachsenden Drucks lehnt die britische Regierung es ab, Namen und Adressen von Kinderschändern zu veröffentlichen. In der letzten Zeit war es aufgrund von Zeitungskampagnen zu Fällen von Selbstjustiz gekommen.
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London - Ein solches Vorgehen nach US-Vorbild werde es nicht geben, sagte am Sonntag Paul Boateng, Staatssekretär im Innenministerium. Die Regierung werde die Gesetze gegen Sexualstraftäter in anderer Hinsicht aber weiter verschärfen.

Die Boulevardzeitung "News of the World" berichtete am Sonntag, sie habe 300.000 Unterschriften für ein neues Gesetz zur Veröffentlichung aller Namen von Kinderschändern gesammelt. Die Zeitung aus dem Konzern des rechts gerichteten Verlegers Rupert Murdoch drohte, ihre umstrittene Kampagne wieder aufzunehmen und die Namen und Adressen verurteilter Pädophiler abzudrucken. Die Kampagne werde nur eingestellt, wenn die Regierung die Namen künftig für Eltern offen lege.

Die Zeitung "Sunday People", die seit Wochen dafür plädiert, Kinderschänder aufzuhängen, brachte am Sonntag Bilder eines der angeblich "schlimmsten Sex-Monster Großbritanniens". Die Fotos zeigten den namentlich genannten Mann in einem Park, umgeben von Kindern in Badehosen.

In den vergangenen beiden Wochen war es auf Grund solcher und ähnlicher Berichte zu mehreren Fällen von Selbstjustiz gekommen. In der Nacht zum Freitag hatten 200 Menschen in Portsmouth versucht, einen Kinderschänder zu lynchen. Experten warnten die Regierung am Sonntag davor, der Pressehetze nachzugeben und sich zu populistischen Schritten hinreißen zu lassen. Dadurch werde das Leben von Kindern aufs Spiel gesetzt, sagte etwa der ehemalige konservative Innenminister Michael Howard.

Eine Veröffentlichung von Namen und Adressen werde die Täter nur in den Untergrund treiben, wo sie nicht mehr überwacht werden könnten. Verurteilte Sexualstraftäter müssen sich in Großbritannien bei der Polizei registrieren lassen. Ihr Wohnsitz wird aber anders als in den USA nicht bekannt gegeben. Nach Angaben von Howard melden sich in Großbritannien 97 Prozent aller verurteilten Kinderschänder vorschriftsmäßig in regelmäßigen Abständen bei der Polizei.