Großbritannien: TV-Star auf Schlüpfer-Mission - DER SPIEGEL
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Großbritannien TV-Star auf Schlüpfer-Mission

Unerhörtes geht vor im Vereinten Königreich: TV-Journalist Jeremy Paxman, der Uli Wickert Großbritanniens, geißelte in einem Brandbrief an den Chef eines Warenhauskonzerns die mangelnde Qualität der dort erhältlichen Herren-Unterhosen. Und entdeckte die Story seines Lebens.
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London - Jeremy Paxman hat vieles erlebt in seinem Journalistendasein und ist weit herumgekommen: Nordirland, Uganda, Libanon und Mittelamerika waren nur einige Stationen auf seinen ausgedehnten Reisen in die Krisengebiete der Welt. Politiker entnervte er in Interviews mit endlosen Wiederholungen der immergleichen Frage, und von Premierminister Tony Blair wollte "Paxo" wissen, ob dieser gemeinsam mit George W. Bush bete. Paxman ist ein Fuchs, so furchtlos wie eitel.

Umso mehr verwundert es, dass sich der TV-Journalist, der auch schon in einem Kino-Film mit Hugh Grant auftrat, sich nun einem sehr schnöden Thema widmet. Weil er mit der Qualität seiner Unterhosen und Socken unzufrieden ist, hat der 57-Jährige eine gepfefferte Mail an den Chef des Warenhauskonzerns Marks & Spencer, Sir Stuart Rose, verfasst.

Wohl nicht ganz zufällig landete das Schreiben auch in der Redaktion des Boulevardblatts "Mail on Sunday" - und das Königreich schlitterte mit Dutzenden von Artikel, Beiträgen und Sendungen in eine Art "Schlüpfer-Krise".

"Wie eine große Zahl von Männern in diesem Land", so notierte Paxman in seinem Brief, "habe ich meine Socken und Hosen immer bei Marks & Spencer gekauft. Ich habe jedoch festgestellt, dass etwas sehr Betrübliches geschehen ist. Anders kann man es nicht nennen. Diese Hosen bieten nicht mehr die angemessene Passform."

Mit dieser Ansicht, so Paxman, stehe er nicht alleine. Diskussionen im Bekannten- und Freundeskreis hätten eine verbreitete "Zwickel-Angst" offenbart. Auch mit der Qualität der Socken sei er unzufrieden, so Paxman. Sie würden heutzutage schneller verschleißen und ihre Form verlieren.

"Das sind Fragen von großer Relevanz für die Männer in Großbritannien", schrieb Paxman. "Ich hatte das Gefühl, es sei an der Zeit, es demjenigen vorzutragen, der als einziger Abhilfe schaffen kann."

Der herausgeforderte Warenhauschef Rose reagierte umgehend. Via "Times" ließ er dem aufmüpfigen Journalisten mitteilen, er lade ihn ein, die Güte seiner Wäsche testen zu lassen. Die Beschwerden stünden im vollkommenen Gegensatz zu den Erfahrungen Millionen zufriedener Kunden. Lediglich 0,08 Prozent aller verkauften Schlüpfer und 0,06 Prozent der Socken würden beanstandet. "Ich trage selbst unsere Unterhosen und bei mir schlackert nichts", sagte Rose der Zeitung. Vielleicht sei Paxmans Problem auch ganz anders gelagert: "Wenn Menschen älter werden, brauchen sie eben etwas mehr Halt. Vielleicht liegt hier die Schwierigkeit."

Paxman entgegnete, er werde die Herausforderung nur zu gerne annehmen. "Nichts, was ich je gemacht habe, (…) hat eine solche Resonanz hervorgerufen. Ich wurde mit Mails überschwemmt, Fremde haben mich auf der Straße angesprochen und gesagt: 'Weiter so!' Es gibt da wirklich Handlungsbedarf."

jdl