BILDBÄNDE Große Schwester
Bei ihrem letzten großen Fotoshooting entstanden über 2570 Bilder. Sie begann sich zu verabschieden von ihrer lebenslangen Liebe, der Kamera. Etwa sechs Wochen nach der Session mit Bert Stern war Marilyn Monroe tot, 36 Jahre alt. Ein Bildband mit 150 teils noch unveröffentlichten Bildern mehrerer Fotografen gibt nun, 45 Jahre nach ihrem Tod, die Chance, zwischen der Person Norma Jean Mortenson und dem Star Marilyn Monroe zu unterscheiden, aber auch die Gemeinsamkeiten zu entdecken. Denn der jungen Frau wurde ihr Alter Ego nicht aufgezwungen, sie entwarf es sich selbst. Jene blonde Naive, deren Witze immer wie Zufallstreffer erscheinen, die unerfahren durchs Leben stolpert, aber immer auf die Füße fällt, war ihre Erfindung. Der Bildband zeigt, wie Marilyn diese Version ihrer Person später abzuschütteln versuchte: »Ich wusste, wie drittklassig ich war. Ich spürte meine fehlende Begabung wie Lumpen am Leib.« Die Schauspielerei sei der einzige feste Boden unter ihren Füßen, sagte die Monroe und nahm sich vor, am Fundament zu arbeiten. Die Studios in Hollywood vereitelten diesen Plan; sie wollten die ihnen bekannte Marilyn oder gar keine. Zu was für einer 40-Jährigen hätte sich die Monroe entwickelt? Diese Frage beantwortet der Bildband: Marilyn Monroe hätte den Blumenkindern der Hippie-Zeit eine große Schwester sein können.
Anne Verlhac (Hg.): »Marilyn Monroe. Bilder eines Lebens«. Henschel Verlag, Berlin; 192 Seiten; 32 Euro.