Großfahndung: Schmökel in Ostsachsen unterwegs - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Großfahndung Schmökel in Ostsachsen unterwegs

Nachdem Fluchtwagen und Schlafstätte des gesuchten Kinderschänders Frank Schmökel bei Großdubrau gefunden wurden, durchkämmt die Polizei die ostsächsische Provinz.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Bautzen/Potsdam - Nach dem vor elf Tagen aus dem Maßregelvollzug geflohenen Frank Schmökel, 38, ist auch am Sonntag mit einem Polizeigroßaufgebot gefahndet worden. Der Gewaltverbrecher wird in Ostsachsen vermutet und ist mit großer Wahrscheinlichkeit bewaffnet. Wiederholt warnten die Behörden in Brandenburg und Sachsen vor der Gefährlichkeit Schmökels.

Am Sonnabend war in einem Waldstück bei Großdubrau das verlassene Fluchtfahrzeug Schmökels entdeckt worden. Der grüne Hyundai gehörte einem 60-jährigen Berliner, den Schmökel nach eigenem Geständnis am Donnerstag in Strausberg getötet hatte. Das Auto war mit Laub und Reisig bedeckt.

In der Nähe wurde dann ein Schlaflager gefunden, das vermutlich von Schmökel eingerichtet worden war. Unter anderem waren ein Luftgewehr und vier Messer zurück gelassen worden. Außerdem seien zwei Werkzeugkoffer, Arbeitshandschuhe und ein Schlafsack gefunden worden, teilte das Landeskriminalamt mit. "Wenn er so viele Waffen zurückgelassen hat, hat er wahrscheinlich noch welche bei sich", sagte ein Sprecher der Polizeidirektion Bautzen .

An der Großfahndung nach dem geistesgestörten Kinderschänder im Raum Bautzen sind rund 650 Beamte von Polizei und Bundesgrenzschutz aus Sachsen, Thüringen, Brandenburg, Bayern und Baden-Württemberg beteiligt. Reiterstaffeln und Suchhunde durchkämmten Waldgebiete und durchsuchten eine Gartensiedlung um die Ortschaft Großdubrau.

"Schmökel hält sich möglicherweise immer noch in der Gegend auf", sagte ein Polizeisprecher. Es sei aber auch nicht auszuschließen,dass sich der Gewaltverbrecher ein weiteres Fluchtfahrzeug beschafft habe.

Eine Flucht Schmökels über die "grüne Grenze" nach Polen oder Tschechien ist nach Einschätzung der Polizei eher unwahrscheinlich. Die polnische Grenze sei ungefähr 65 Kilometer entfernt, die tschechische etwa 25 Kilometer. Die Fahndung wurde trotzdem vorsorglich auf internationales Gebiet ausgeweitet.

Die Polizei warnte Autofahrer davor, Anhalter mitzunehmen. Es sei nicht auszuschließen, dass Schmökel versuche, auf diese Weise zu einem neuen Fluchtfahrzeug zu gelangen.

Ermittlungen gegen Klinikpersonal

Mit dem Mord an dem 60-jährigen Berliner und dem Rücktritt des brandenburgischen SPD-Politikers Herwig Schirmer hatte der Fall des flüchtigen Gewaltverbrechers am Freitag eine dramatische Wendung genommen. Der Kinderschänder hatte einem seiner Psychiater telefonisch gestanden, den Mann am Donnerstag in Strausberg bei Berlin erschlagen zu haben. Sozialstaatssekretär Schirmer, 62, übernahm mit seinem Rücktritt die politische Verantwortung für Schmökels Flucht, der am Mittwoch vergangener Woche aus dem Maßregelvollzug entkommen war. Zehn Personen - Verwandte und Bekannte des Flüchtigen - wurden unter Polizeischutz gestellt.

Gegen die Leitung der Nervenklinik Neuruppin wurde inzwischen vom Bund Deutscher Kriminalbeamter Anzeige wegen "Gefangenenbefreiung und Beihilfe zu einem Tötungsverbrechen" erstattet. Gegen das Klinikpersonal wird bereits ermittelt. Schmökel war nach seiner Verurteilung in die Heilanstalt eingewiesen worden. Schmökel war vor fünf Jahren wegen versuchten Mordes und mehrfachen Missbrauchs von Kindern zu 14 Jahren Haft verurteilt worden. Während eines Besuchs seiner Mutter am 25. Oktober in Strausberg nutzte er die Zigarettenpause seiner beiden Pfleger zur Flucht. Er stach einen Bewacher nieder, verletzte auch die Mutter und einen weiteren Pfleger. Für Hinweise auf den Aufenthaltsort Schmökels wurden 50.000 Mark ausgesetzt.