Großflughafen Berlin Showdown in der Fabrikhalle
Berlin - Ort des Streits um den Flughafen Berlin-Brandenburg International (BBI) ist eine Fabrikhalle in Oberschöneweide im Bezirk Köpenick. Bis zu 5000 Teilnehmer finden in der mit modernster Technik ausgestatteten Halle Platz. Die Veranstaltung wird organisiert von der Berliner Firma Trend Event, die auch schon den G-7-Gipfel betreut hat.
Bei der Anhörung, die zunächst bis Ende August angesetzt ist, dürfte es vermutlich hoch hergehen. Angeführt von einer Bürgerinitiative mit dem Namen Bürgerverein Brandenburg-Berlin (BVBB) , die nach eigenen Angaben 4500 Mitglieder hat, soll der neue Airport am Standort des alten DDR-Flughafens Schönefeld verhindert werden - mit allen erlaubten taktischen Mitteln. Deshalb weiß auch niemand, welche Überraschungen es bei dem Anhörungsmarathon geben wird. "Machen Sie die Anhörung zum Spaß für die ganze Familie", ermuntert der BVBB auf seiner Internetseite aber schon mal alle Anwohner.
Der Gegner der Bürgerinitiative ist mächtig und wird von den Ländern Berlin und Brandenburg unterstützt: Den Flughafen bauen wird nach jahrelangem Rechtsstreit die einzig verbliebene Bewerbergruppe BBIP, die sich aus den einst konkurrierenden Konsortien um den Baukonzern Hochtief und die Bonner IVG-Immobilienholding zusammensetzt. Der Airport soll als Erster in Deutschland unter privater Regie gebaut und betrieben werden.
Psychologe schulte die Moderatoren
- Die Homepage der Flughafen-Gegner
- Die Berlin Schönefeld Flughafen GmbH
- Die "gekaperte" Seite des Landesamtes
Der Großflughafen soll im Jahre 2007 fertig sein und dann die jetzigen drei Berliner Airports in Tegel, Tempelhof und Schönefeld ersetzen. Eigentlich ist die Lage des Flughafens günstig: An der südlichen Grenze Berlins zu Brandenburg soll er mit der Bahn in höchstens 20 Minuten zu erreichen sein. Dieser Vorteil ist aber eben auch der Nachteil der Anwohner, deren Einwendungen jetzt gehört werden müssen. Das Brandenburger Landesamt für Bauen, Verkehr und Straßenwesen (LBVS) hat die insgesamt 133.000 Beschwerden auf 4000 Argumente zusammengefasst, die jetzt erörtert werden müssen. Die insgesamt vier Moderatoren der Veranstaltung haben sich jeweils auf bestimmte Themen wie Fluglärm oder Schadstoffemission spezialisiert. Sie wurden von einem Psychologen geschult, um auf eventuelle "Krisensituationen" vorbereitet zu sein.
Einen ersten kleinen Sieg konnten die Flughafen-Gegner bereits erringen - er kostete auch nur 2,99 Mark. Dafür kaufte der Bürgerverein die Internetadresse www.planfeststellungsverfahren.net . Auf dieser Seite wollte das Landesamt eigentlich über den Stand der Erörterung informieren, vergaß aber, die Domain auch anzumelden.
Ob der geplante Riesen-Airport (Kosten: mindestens acht Milliarden Mark) überhaupt wirtschaftlich sinnvoll ist, ist eine ganz andere Frage. Schon jetzt steht fest, dass er die "Marktführer" Frankfurt (jährlich 45 Millionen Fluggäste) und München (21 Millionen) nicht einholen wird: Zurzeit gibt es in Berlin 13 Millionen Fluggäste, der Großflughafen soll im Jahre 2007 dann 17 Millionen Menschen befördern helfen. Aber darum geht es beim Showdown in der Fabrikhalle ja nicht hauptsächlich.