Großrazzia Zwei mutmaßliche Terrorfinanziers gefasst
München - Ein Ägypter und ein Tunesier wurden als Hauptverdächtige festgenommen. Gegen die beiden Männer, die in München gefasst wurden, laufen Ermittlungsverfahren wegen Geldwäsche und Steuerhinterziehung. Der Münchner Polizeisprecher Peter Reichl sagte, es bestehe der Verdacht, dass sie Terroraktionen finanziell unterstützt hätten: "Es sind sehr viele Gelder geflossen über verschiedene Firmen." Die Gelder seien nach Nordafrika überwiesen worden, aber auch in andere Länder.
Beide Männer pflegten "Kontakte zum islamistisch-terroristischen Spektrum", sagte der Polizeisprecher. Der 43-jährige Tunesier war den Angaben zufolge in den neunziger Jahren an Terroranschlägen in seiner Heimat beteiligt. Der 47-jährige Ägypter habe sich "sehr konspirativ bei Geldgeschäften" verhalten; gegen ihn wurde bereits Haftbefehl erlassen. Beide Männer hielten sich legal in Deutschland auf.
"Die beiden Verdächtigen haben miteinander nichts zu tun", sagte Reichl. Die Durchsuchungen in den zwei Ermittlungsverfahren seien parallel geführt worden, damit keiner der beiden vorzeitig vor einer Polizeiaktion gewarnt würde.
Um 6 Uhr morgens starteten mehr als 200 Ermittler unter Federführung von Staatsanwaltschaft und Polizeipräsidium München die Großrazzia im gesamten Bundesgebiet. Der Schwerpunkt lag in München, weitere Aktionen liefen rund um die bayerische Landeshauptstadt und in Nürnberg. In Berlin wurden an acht verschiedenen Orten Räume durchsucht, in Hamburg an zwei. Einzelne Razzien fanden zudem in Baden-Württemberg, Bremen und Niedersachsen statt. Auch in der belgischen Hauptstadt Brüssel rückten die Ermittler in Firmenräumen an.
Neben Privatwohnungen durchsuchte die Polizei auch Steuerkanzleien und Moscheen. Dabei sei viel Beweismaterial sichergestellt worden: neben Computern und Geschäftsunterlagen Tonträger mit Auszügen aus dem Koran und mit Hassbriefen. Die Polizei habe alle betroffenen Personen angetroffen, Probleme habe es nicht gegeben. "Die Aktion verlief sehr ruhig und geordnet", sagte Reichl. Bei einem Mann in München entdeckten die Ermittler den Angaben zufolge "einen größeren Geldbetrag". Genaueres wollte der Sprecher dazu nicht sagen.
Der bayerische Innenminister Günther Beckstein wertete die Aktion als "weiteren Beleg für die Entschlossenheit im Vorgehen gegen islamistische Extremisten". Der Druck auf sie werde erhöht, sagte der CSU-Politiker, und alle Mittel des Ausländerrechts genutzt, "um Top-Gefährder und Hassprediger so schnell wie möglich außer Landes zu bringen".