Grubenunglück: "Die Männer haben eine Chance" - DER SPIEGEL
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Grubenunglück "Die Männer haben eine Chance"

Hoffen und Bangen in Südrussland: Ein Minibohrer ist bis in den Unglücksstollen im Bergwerk Sapadnaja vorgestoßen, in dem noch immer 13 Steiger vermisst werden. Und tatsächlich ist der Gang nicht überflutet - die Männer könnten also noch immer am Leben sein.
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Moskau - Seit Tagen warten die Angehörigen der Verschütteten an der Zeche, in der ihre Männer, ihre Söhne und Brüder am Donnerstag eingefahren sind. Mit jedem Tag, mit jeder Stunde schwindet die Hoffnung, die 13 Bergleute lebend bergen zu können. Wenigstens, so meldete am Morgen die Einsatzleitung, ist der Stollen, in dem die Steiger vermutet werden, nicht überflutet. Nun müssen die Experten einen Durchbruch sprengen, durch die Rettungstrupps in den in 700 Metern Tiefe liegenden Stollen vordringen können.

Nach Einschätzung der Ärzte könnten die Eingeschlossenen überlebt haben. Die Temperatur wird in der Tiefe auf mindestens 20 Grad geschätzt, zudem gibt es Trinkwasser. Erste Analysen haben ergeben, dass der Sauerstoffgehalt in dem Gang so hoch ist, dass dort ein Überleben über mehrere Tage theoretisch möglich sei. "Die Männer haben eine Chance. Sie können dort unten Kondenswasser trinken. Hauptsache, sie behalten die Nerven", sagte ein Mitarbeiter des Rettungsdienstes.

Dennoch: Ein Lebenszeichen haben die Retter bislang nicht aufgefangen. Aus zunächst ungeklärter Ursache verzögerte sich der für den Morgen angekündigte Durchbruch. Den ganzen Tag über warteten insgesamt sieben Rettungstrupps unter Tage auf ihren Einsatz. Nach dem Erreichen des Bergwerkstollens in der Schachtanlage Sapadnaja sollen sie in alle Richtungen ausschwärmen und nach den Bergleuten suchen.

Am vergangenen Donnerstag hatte ein gigantischer unterirdischer See den Grund der Schachtanlage überflutet und 46 Bergleuten alle Fluchtwege versperrt. 33 Arbeiter wurden am Samstag gerettet. Den Einsatzkräften gelang es am Montagabend, das rasante Ansteigen des Wasserpegels in den Stollen zu stoppen.

Inzwischen hat die Generalstaatsanwaltschaft ein Strafverfahren gegen die Eigentümer des Bergwerks in Nowoschachtinsk ankündigt. Es gebe Beweise, dass der Eigentümer, die Bergbau-Holding Rostowugol, gegen Sicherheitsbestimmungen am Arbeitsplatz verstoßen habe, sagte der stellvertretende russische Generalstaatsanwalt Sergej Fridinski. Unter den 13 verschütteten Männern sind auch der Bergwerksdirektor Wassili Awdejew und dessen Stellvertreter.

Die Familien der Bergleute erhielten nach Medienberichten bereits erste Entschädigungszahlungen von den Bergwerkseignern. Jede Familie soll demnach umgerechnet 330 Euro bekommen. Die Arbeiter hatten zuletzt im März ihr volles Gehalt erhalten.

Jule Lutteroth