Grubenunglück in Chile: Kumpel wollen klagen - DER SPIEGEL
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Grubenunglück in Chile Kumpel wollen klagen

Die 33 in Chile geretteten Bergleute planen, gerichtlich gegen die Minenbetreiber und den Staat vorzugehen. Ihre Geschichte wollen sie unterdessen mit Hilfe einer Verwertungsgesellschaft vermarkten. Einige von ihnen sehnen sich jedoch bereits wieder zurück in die Tiefe.
Bergmann Reygadas: "Zumindest einen kleinen Vorteil aus dem erlittenen Leiden ziehen"
Bergmann Reygadas: "Zumindest einen kleinen Vorteil aus dem erlittenen Leiden ziehen"

Bergmann Reygadas: "Zumindest einen kleinen Vorteil aus dem erlittenen Leiden ziehen"

Foto: HUGO INFANTE/ AFP
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Chile

Santiago de Chile - Sie haben einen Rechtsanwalt mit der Wahrnehmung ihrer Interessen beauftragt. Zudem gründeten die 33 in Chile geretteten Kumpel eine Verwertungsgesellschaft für ihre Einnahmen gegründet. Das Unternehmen solle ihre Rechte in und weltweit vertreten, berichtete die Zeitung "La Tercera" am Donnerstag unter Berufung auf den Rechtsanwalt Edgardo Reinoso. 31 der 33 Bergleute hätten ihm bei einem Treffen in der Stadt Caldera etwa eine halbe Autostunde westlich von der Unglücksmine San José notariell beurkundete Vollmachten erteilt. Die anderen beiden seien verhindert gewesen, würden dies aber noch nachholen.

Unglück

Er werde nun gerichtlich gegen die Betreibergesellschaft der Mine, San Esteban, und den Staat vorgehen, sagte der Anwalt. Dabei werde es auch um die Aussage von Arbeitsministerin Camila Merino gehen, der Staat habe schon seit geraumer Zeit Informationen besessen, dass die Mine unsicher gewesen sei. Die Verwertungsgesellschaft solle alle möglichen Einnahmen der Kumpel im Zusammenhang mit dem bündeln und zu gleichen Teilen an die Geretteten verteilen.

Die Bergleute wollen ihre Geschichte meistbietend verkaufen. Sie würden mit dem Medium sprechen, das "uns am meisten dafür bietet, damit wir zumindest einen kleinen Vorteil aus dem erlittenen Leiden ziehen können", zitierte die Zeitung "El Mercurio" den Bergmann Omar Reygadas.

Reygadas war zusammen mit 32 Leidensgenossen 69 Tage in mehr als 600 Meter Tiefe in einer Kupfer- und Goldmine eingeschlossen und am 13. Oktober in einer spektakulären Rettungsaktion befreit worden.

"Ich habe fest daran geglaubt, dass ich sterben werde"

"Wir müssen das ausnutzen", sagte der Kumpel im Hinblick auf das riesige Medieninteresse. "Wir haben keinen Schweigepakt, sondern werden sprechen, sobald irgendjemand sagt, wie viel er bietet. Dann werden wir 33 die Wahrheit erzählen", fügte Reygadas hinzu.

Der Bergmann Víctor Segovia schilderte dem "Stern" allerdings schon Einzelheiten des Martyriums unter Tage. "Ich habe fest daran geglaubt, dass ich sterben werde. Und ich habe mir gewünscht, dass es einfach so im Schlaf passiert", sagte Segovia dem Magazin. Auch andere Medien veröffentlichten bereits Schilderungen der Ereignisse unter Tage. Ob dafür Geld gezahlt wurde, ist bislang nicht bekannt.

Über die ersten Momente nach dem Einsturz des Stollens sagte Segovia: "Die ersten Minuten hat keiner von uns ein Wort gesagt. Die Jungen, weil sie ja gar nicht wussten, was ihnen drohte. Und wir Älteren, weil wir niemandem Angst machen wollten". Nach zwei Tagen hätten die Männer die Mine erkundet und nach einem Ausgang gesucht. "Es war aussichtslos. Irgendwann stand man wieder vor einer Wand aus Fels."

Schnell sei eine Hierarchie entstanden, Mario Sepúlveda habe die Chefrolle übernommen - der "Journalist" im Stollen moderierte Videos unter Tage. Schichtleiter Luis Urzúa habe die meiste Zeit geschwiegen. "Wir alle waren froh, dass da überhaupt jemand die Initiative übernommen hat", sagte Segovia dem Magazin.

Doch nach ihrer spektakulären Rettung plagen einige der Bergleute noch immer Anpassungsschwierigkeiten. "Manchmal denke ich, dass es mir im Inneren der Mine besser gehen würde", sagte Reygadas. Er sei sehr nervös und könne nicht mehr richtig schlafen.

Das große Interesse an ihrem Schicksal löst bei einigen der Geretteten mittlerweile großen Unmut aus. Die "Belästigungen" durch die chilenische und die ausländische Presse seien "genug", sagte Sepúlveda. "Ich bin nichts weiter als ein Bergarbeiter. Diese ganze Berühmtheitsgeschichte ist nichts für mich." Auch Mario Gómez, der mit 63 Jahren älteste der Verschütteten, sehnt sich inzwischen nach Ruhe. Er sei die "Belästigungen durch die Presse" und offiziellen Auftritte bereits leid.

wit/dpa/AFP