Guatemala Brand in Kinderheim - Zahl der Opfer steigt auf mehr als 20
Die Regierung in Guatemala hat eine dreitägige Staatstrauer angeordnet. Grund ist ein Brand in einem Heim für Kinder und Jugendliche in dem mittelamerikanischen Land - mit verheerenden Folgen. Bei dem Feuer kamen offiziellen Angaben zufolge mindestens 22 Menschen ums Leben. 38 Verletzte, darunter 16 in lebensbedrohlichem Zustand, seien mit Verbrennungen in Krankenhäuser gebracht worden.
Die Todesopfer waren demnach zwischen 14 und 17 Jahre alt. 19 starben direkt an der Unglücksstelle, zwei erlagen später ihren schweren Verbrennungen. Die meisten Leichen waren laut Mayra Veliz von der Staatsanwaltschaft vollständig verkohlt. Die Opferzahlen seien nur vorläufig, da der Brandort noch nicht komplett abgesucht sei.
Viele Verletzten waren in einem kritischen Zustand. "Sie haben Verbrennungen zweiten und dritten Grades erlitten", sagte der Direktor des Roosevelt-Hospitals in Guatemala-Stadt, Carlos Soto, der Zeitung "Prensa Libre". "Die Verbrennungen, die ich gesehen habe, betreffen 50 Prozent der Körperoberfläche."
"Diese Tragödie hätte verhindert werden können"
Das 2006 erbaute Heim in der Ortschaft San José Pinula nahe Guatemala-Stadt wird von der staatlichen Wohlfahrt betrieben. In der Einrichtung leben Kinder und Jugendliche, die wegen häuslicher Gewalt aus ihren Familien genommen wurden. Allerdings wurden zuletzt auch kriminelle Jugendliche in der Einrichtung untergebracht. Das habe zu erheblichen Spannungen geführt, berichteten mehrere Medien.
Die gemeinsame Unterbringung Jugendlicher sei ein Fehler, sagte Sozialminister Carlos Rodas. Die Chefjuristin der Regierung, Anabella Morfin, verwies darauf, ihre Behörde habe zuletzt bei zwei Richtern um die Verlegung besonders auffälliger Jugendlicher gebeten. Die Genehmigung sei aber nicht erteilt worden. "Diese Tragödie hätte verhindert werden können", sagte Morfin.
Zuletzt hatten sich die Minderjährigen über schlechte Behandlung durch die Betreuer und schlechtes Essen beschwert. Nach Angaben einiger Parlamentarier gab es seit 2015 Hinweise darauf, dass Jugendliche aus der Einrichtung als Prostituierte rekrutiert wurden. Staatsanwalt Harold Flores sagte dem Radiosender Emisoras Unidas, in den vergangenen Monaten habe es verstärkt Beschwerden gegeben, dass Bewohner des Heims vor sexuellem Missbrauch geflohen seien.
"Als Staat müssen wir uns fragen: Was tun wir?"
In der Nacht zum Mittwoch flohen dann etwa 60 Jugendliche aus dem Heim. Zudem soll es Proteste gegen sexuellen Missbrauch durch das Personal, mangelnde Verpflegung und allgemein schlechte Lebensbedingungen in dem Heim gegeben haben.
Am Morgen steckten dann randalierende Jugendliche den Ermittlern zufolge Matratzen in Brand. Das Feuer breitete sich danach auf den Rest der Einrichtung aus.Vorgesehen war das Heim für 400 Bewohner, Berichten zufolge sollen dort aber fast doppelt so viele Kinder und Jugendliche untergebracht gewesen sein.
Unicef bedauerte das Unglück. "Diese Mädchen, Jungen und Jugendliche müssen beschützt werden", schrieb das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen auf Twitter. Der Generalsekretär der Organisation Amerikanischer Staaten, Luis Almagro, forderte eine rasche Aufklärung des Vorfalls.
Die Generalstaatsanwaltschaft leitete eine Ermittlung ein. "Der Vorfall ist sehr bedauerlich. Als Staat müssen wir uns fragen: Was tun wir?", sagte Generalstaatsanwältin Thelma Aldana. Der Kongress forderte die verantwortlichen Beamten zum Rücktritt auf. Zudem beantragten die Abgeordneten die Schließung des Heims.
Auch Guatemalas Staatsanwältin für Kinderrechte, Hilda Morales, erklärte, sie werde die Schließung des Heims verlangen. Die Mitarbeiter im Heim, die ihre Pflicht vernachlässigt hätten, sollten strafrechtlich verfolgt werden.