Günther Kaufmann: Mutmaßliche wahre Mörder vor Gericht - DER SPIEGEL
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Günther Kaufmann Mutmaßliche wahre Mörder vor Gericht

831 Tage war Günther Kaufmann wegen Mordes unschuldig im Gefängnis - aus Liebe. Jetzt kommen die mutmaßlichen wahren Täter vor Gericht. Aber auch der Schauspieler muss sich auf einen erneuten Prozess vorbereiten - das Justiz-Drama geht weiter.
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Hamburg - Das Verfahren gegen die drei Männer aus Berlin wird in München eröffnet. "Die Anklage ist erhoben und zugestellt", sagte ein Sprecher der Münchner Staatsanwaltschaft. Dem weitgehend geständigen Trio wird vorgeworfen, Kaufmanns Steuerberater getötet zu haben.

Kaufmann hatte sein Geständnis erst nach der Verhaftung der Männer widerrufen. Er beantragte die Wiederaufnahme des Verfahrens. Noch vor dem neuen Prozess gegen Kaufmann kommen jetzt die mutmaßlichen Täter vor Gericht.

Die drei Männer waren im August des Vorjahres in Berlin gefasst worden und sitzen momentan in München, Nürnberg und Regensburg in Untersuchungshaft. Seitdem kommt langsam Licht ins Dunkel des Justiz-Dramas "Kaufmann": Unter anderem gaben die Männer an, von Kaufmanns Frau Alexandra beauftragt worden zu sein, belastende Unterlagen des Steuerberaters verschwinden zu lassen. Einer der Verhafteten soll ein Verhältnis mit Alexandra gehabt haben.

Kaufmanns Frau kann nicht mehr befragt werden, sie starb bereits während der Schauspieler im Gefängnis saß - noch vor Beginn des ersten Prozesses.

Geständnis aus Liebe

Fassbinder-Darsteller Kaufmann war für den Mord an seinem Steuerberater Hartmut Hagen vor drei Jahren zu 15 Jahren Haft verurteilt worden. Aus Liebe zu seiner Frau habe er die Schuld an dem Mord damals auf sich genommen. Sein eigenes Leben, versichert der heute 56-Jährige, sei ihm "damals ziemlich egal" gewesen. Dieses Gefühl habe ihm auch "die Kraft und Phantasie gegeben", die Selbstbezichtigung durchzuhalten.

Der Mord an Hagen gab den Ermittlern Rätsel auf: Es ging um Geld, um eine kranke Frau, um den verliebten Kaufmann, seinen Nebenbuhler, einen Gewohnheitskriminellen und dann eben um Mord.

Die Staatsanwaltschaft verspricht sich von dem Prozess deshalb auch neue Erkenntnisse über eine mögliche Verwicklung von Kaufmann in den Mordfall. Nach Informationen des Münchner Oberstaatsanwalts Peter Boie sei Kaufmann zeitnah am Tatort gewesen, entsprechende Fingerspuren seien gesichert worden.

Kreditbetrug: Neues Verfahren

Auch wenn der Schauspieler in dem neu aufgerollten Verfahren freigesprochen wird, droht ihm weiter Ärger mit der Justiz - wegen Kreditbetrugs. Alexandra Kaufmann soll sich bei dem Steuerberater unter falschen Angaben einen Kredit in Höhe von rund 400.000 Euro erschlichen haben. Im Fall eines Freispruchs muss Kaufmann nun damit rechnen, dass das Ermittlungsverfahren gegen ihn wegen des Kreditbetrugs wieder aufgenommen wird. Dieses Betrugsverfahren sei damals nicht weiter verfolgt worden, weil das Tötungsdelikt das gewichtigere Verfahren gewesen sei, so die Ermittlungsbehörde.