Haiti: Die Angst vor Seuchen wächst - DER SPIEGEL
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Haiti Die Angst vor Seuchen wächst

Die Zahl der Opfer des Tropensturms "Jeanne" steigt immer weiter. Möglicherweise seien 2000 Menschen bei dem Unwetter ums Leben gekommen, sagte ein Sprecher des haitianischen Katastrophenschutzes. Jetzt sind die Überlebenden von Epidemien bedroht.
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Gonaives - Bisher wurden mehr als 1050 Tote geborgen - fast alle in der am stärksten betroffenen Hafenstadt Gonaives. Noch immer werden mehr als 1250 Menschen vermisst. Der zweitägige heftige Regen durch den Tropensturm hatte in Haiti am Wochenende besonders verheerende Auswirkungen, weil es dort kaum noch Wälder gibt, die die Fluten hätten zurückhalten können. Viele Menschen waren ins Meer gespült worden; andere wurden unter dem Schutt begraben, der sich nach den Flutwellen und Erdrutschen angesammelt hatte.

Etwa 800 Tote wurden in Gonaives in einem Massengrab bestattet. In der 250.000-Einwohner-Stadt - der drittgrößten Haitis - stand das Wasser stellenweise immer noch kniehoch. Die Kadaver von Schweinen, Ziegen und Hunden trieben zusammen mit Trümmern von Möbeln in den trüben Fluten. Es fehlte an Medikamenten, Lebensmitteln und vor allem sauberen Trinkwasser. "Wir müssen das Wasser trinken, in dem die anderen gestorben sind", sagte der Bauer Jean Lebrun.

Nach Einschätzung der internationalen Hilfsorganisation Care muss in den betroffenen Regionen mit dem Ausbruch von Seuchen gerechnet werden. Um der hohen Seuchengefahr vor allem in der Stadt Gonaives zu begegnen, würden jetzt vorrangig rasch die Leichen beerdigt und Massengräber dafür ausgehoben.

Auch Interimsministerpräsident Gérard Latortue bestätigte das hohe Epidemierisiko : "Wir haben ein Problem mit den Leichen. (...) Sie müssen sich das vorstellen: Es gibt keine Elektrizität, die Leichenschauhäuser arbeiten nicht und überall ist Wasser."

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Hunger und Verzweiflung herrscht derweil unter den Überlebenden der Katastrophe: Bei der Austeilung von Brot kam es fast zu Tumulten - Soldaten der Uno-Friedenstruppe gaben Warnschüsse in die Luft ab, um die Lage zu beruhigen. Nach Polizeiangaben wurden Lieferwagen mit Hilfsgütern schon auf der Straße vor Gonaives überfallen.

Der Tropensturm "Jeanne" verstärkte sich unterdessen wieder zum Hurrikan und zog in Richtung der Bahamas weiter. Dort könnte er am kommenden Wochenende eintreffen; die Behörden riefen die Bevölkerung vorsorglich auf, wachsam zu bleiben. Weiter östlich zogen vom Atlantik der Hurrikan "Karl" und der Tropensturm "Lisa" heran.