Haiti Verschütteter nach zwölf Tagen gerettet
Haiti: Verschütteter nach zwölf Tagen gerettet
Foto: Marco DORMINO/ AFPPort-au-Prince - Wie das US-Militär berichtete, wurde der Mann am Dienstag eher zufällig bei Aufräumarbeiten gefunden. Soldaten seien damit beschäftigt gewesen, Trümmer zu beseitigen, als sie den 31-Jährigen entdeckten. Zunächst war man davon ausgegangen, dass Ricot Duprévil am 12. Januar bei dem ersten schweren Erdstoß der Stärke 7,0 verschüttet worden war. Dann stellte sich allerdings heraus, dass er bei einem Nachbeben unter Schutt begraben worden war.
Duprévil wird derzeit von US-Medizinern behandelt. Er sei stark dehydriert und habe ein gebrochenes Bein, hieß es. Bereits vergangenen Samstag war elf Tage nach dem Beben der junge Wismond Exantus aus den Trümmern eines zusammengestürzten Gebäudes gerettet worden. Zuvor hatte er mit Klopfzeichen auf sich aufmerksam gemacht.
Auch er hatte unter der Ruine nur so lange überleben können, weil er in einem Hohlraum eingeschlossen war und Getränke und Essen fand. Bei dem Beben kamen laut Schätzungen der haitianischen Regierung etwa 150.000 Menschen ums Leben. Die Zahl der Toten dürfte jedoch noch steigen.
Erneutes Nachbeben erschüttert Haiti
Auch zwei Wochen nach der Katastrophe gibt die Erde in Haiti noch immer keine Ruhe. Am Dienstag wurde der Karibikstaat erneut von einem Erdstoß erschüttert. Wie die US-Geologiebehörde USGS berichtete, hatte das Beben die Stärke 4,9. Das Epizentrum habe in etwa zehn Kilometer Tiefe rund 65 Kilometer westlich der Hauptstadt Port-au-Prince gelegen.
Wie jetzt bekannt wurde, ist auch ein deutscher Uno-Mitarbeiter unter den Erdbebenopfern von Haiti. Der 33-jährige Hesse aus Hungen im Kreis Gießen starb in den Trümmern des zerstörten Uno-Gebäudes, bestätigte die Stadt Hungen am Mittwoch entsprechende Zeitungsberichte. Der Mann arbeitete den Meldungen zufolge seit 2005 bei den Vereinten Nationen und war seit 2007 als politischer Berater für die Friedensmission in Haiti im Einsatz.
Impfkampagne und Plünderungen
Das Kinderhilfswerk Unicef plant jetzt zusammen mit der Regierung von Haiti eine große Impfkampagne. Ziel sei es, 600.000 Kinder im Alter von bis zu fünf Jahren gegen Masern, Tetanus und Diphtherie zu immunisieren, teilte das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen in Paris mit. Die Verteilung von Wasser und Essen an vom Erdbeben betroffene Familien laufe unterdessen weiter auf Hochtouren.
Plünderungen bereiten den Ordnungskräften angesichts der angespannten Versorgungslage nach dem Beben weiter Probleme. Haitianische Polizisten versuchten am Dienstag mit Warnschüssen, den Ansturm auf Lebensmittellastwagen zu stoppen. Ein Konvoi von drei mit Reis beladenen Kleinlastern fuhr in der Hauptstadt Port- au-Prince an einem der Obdachlosen-Camps vorbei, als plötzlich Hunderte junger Männer und Frauen auf die von Polizisten bewachten Lastwagen zustürmten, und begannen, Reissäcke von den Ladeflächen zu zerren. Sie ließen sich von den zahlreichen Schüssen nicht beeindrucken. Verletzt wurde glücklicherweise niemand.
"Unser größtes Problem bei der Verteilung von Lebensmitteln ist, dass wir nicht genügend Sicherheitskräfte haben", sagte der Sprecher der Uno-Mission auf Haiti, MINUSTAH, der brasilianische Oberstleutnant Fernando Pereyra.
In Port-au-Prince gibt es derzeit über 300 wilde Camps von Obdachlosen auf Straßen, freien Flächen und in Parks. Insgesamt sollen 500.000 Menschen unter solchen Bedingungen leben. Die Uno plant jetzt, rund Hunderttausend von ihnen außerhalb der Hauptstadt in zehn großen Camps unterzubringen.
Wie die Sprecherin der Uno-Mission für Migration, Njurka Pineiro, sagte, haben die Arbeiten an einem der Standorte im Osten bereits begonnen. Beobachter vor Ort gehen davon aus, dass die Mehrzahl der Menschen die Stadt nicht verlassen wird, sondern es vorzieht, dauerhaft in den provisorischen Lagern zu bleiben.
Welternährungsprogramm mahnt mehr Hilfe an
Das Welternährungsprogramm (WFP) der Vereinten Nationen mahnte derweil mehr Hilfe an. Die Menschen des bitterarmen Karibikstaats müssten viel länger versorgt werden als angenommen. "Ursprünglich hatten wir mit zwei Millionen Menschen gerechnet, die wir sechs Monate versorgen müssen", sagte WFP-Chefin Josette Sheeran in New York. "Jetzt gehen wir von mindestens zwölf Monaten aus."
Brasiliens Präsident Luiz Inácio Lula da Silva kündigte an, sein Land werde den Wiederaufbau in Haiti mit zusätzlich 375,95 Millionen Reales (rund 150 Millionen Euro) unterstützen. Lula appellierte an die Weltöffentlichkeit, mit der Hilfe für das haitianische Volk nicht zu warten, sondern jetzt tätig zu werden. Die Brasilianer hatten zuvor die Verdopplung ihres Blauhelm-Kontingents für Haiti bekanntgegeben. Bisher waren 1266 brasilianische Militärs unter Uno-Mandat in dem Karibikstaat stationiert.
Rotes Kreuz eröffnet mobiles Hospital
Für das Internationale Rote Kreuz ist der Hilfseinsatz in Haiti schon jetzt der größte, den es je für ein einzelnes Land gegeben hat. Insgesamt 20 Katastrophenhilfe-Einheiten vom Hospital bis zur Wasseraufbereitungsanlage sowie 215 internationale Helfer seien im Erdbebengebiet im Einsatz.
Am heutigen Mittwoch soll ein mobiles Rotkreuz-Hospital eröffnet werden, sagte DRK-Sprecherin Svenja Koch. Ein Viertel der 100 Ärzte und Pfleger für dieses Hospital mit zwei Operationsräumen kommt aus Deutschland. Unterstützt werden die internationalen Helfer von Tausenden Freiwilligen der haitianischen Rotkreuzgemeinschaft. Sie verteilen Hilfsgüter und leisten Erste Hilfe. Die Wasseraufbereitungsanlagen versorgen täglich 100.000 Menschen mit frischem Wasser.