Affären Hallo, Cheri
In ihrem bewegten Leben hat Marita Wenzel, 48, alias Clarissa D., alias Sina D., viele und vieles enthüllt, doch in den letzten Monaten war es um die Frankfurter Domina verdächtig still geworden. Kein rauschender Fernsehauftritt, keine schaurigen Geschichten - Sendepause am Main.
Endlich, Mitte voriger Woche, hörte man von der »alias«-Dame wieder Vertrautes. Bei Bild war sie diesmal gelandet, ziemlich heftig sogar.
Im Steuerfall Graf, berichtete das Enthüllungsblatt exklusiv, habe sich bei den Ermittlungsbehörden eine »geheimnisvolle blonde Frau« gemeldet. »Sie kam freiwillig! Sie sagte unter Eid aus!« Und natürlich hatte sie geheimstes Geheimwissen auszupacken.
Im Hafen von Marbella, so die in zwei Folgen erzählte Geschichte, habe sie vor Jahren Peter Graf getroffen. »Es ging um viel Geld und eine düstere Verstrickung« - um Steffi natürlich.
Am hellichten Tag seien sie »mit einem Schnellboot aufs Meer« gefahren. »Peter Graf warf ein Paket über Bord, zum leichten Auffinden vertäut mit einer Boje.« Was in dem Paket war, hat »die blonde Zeugin« nicht einmal in Bild erzählt - vermutlich Schweigegeld.
Viele Sonderlinge hat der Fall Graf angelockt. Wünschelrutengänger, die nach den Millionen suchen, Hellseher, die noch schlauer sind als die Polizei - aber kein Vergleich mit Marita.
Sogar Peter Graf gab sie Rätsel auf. Im Knast zu Mannheim, Cafe Landes genannt, zermarterte sich der U-Häftling das Hirn. Natürlich hat er in Marbella feurig geschnäbelt, aber nicht mit Marita. Auch auf dem Bild-Foto, »Sonnenbrille zur Tarnung«, hat er sie nicht erkannt.
Krethi und Plethi von der Rotlicht-Szene am Main blickten gleich durch. Seit gut zwei Jahrzehnten hat die gelernte Domina an Begegnungsstätten besonderer Art ihre Spuren hinterlassen. Später hat sie gern über Geschlechtsorgane von Prominenten in ihrer zeitweiligen Metamorphose geredet.
Wenn der Baulöwe Jürgen Schneider mal nicht die Deutsche Bank über den Tisch zog, lag er, so Maritas Geschichte, in ihrem schönen Bett. »Hallo, hier ist Jürgen. Hast du heute Zeit für mich?« berichtete die »Schneider-Geliebte« voriges Jahr in Bild am Sonntag. »Beim Sex behielt er die Socken an.«
Vom Tete-a-tete »mit fremden Frauen« war die Rede, und vor laufender Kamera zeigte Sina sogar die Peitsche des angeblichen Sex-Maniacs. Ihre eindringlichen Erlebnisse hätte sie gern auch in Gottschalks Late Night Show gebeichtet, aber nach dem Vorsprechen in München nahm die Redaktion Abstand. »Hallo, Cheri« hat sie vergeblich einem Gottschalk-Helfer ins Telefon geflötet.
Französisch machte sie es bei RTL"Explosiv« vorigen Sommer. In fliederfarbenem Hosenanzug berichtete sie mit gallischem Akzent über die Hintergründe eines Massenmordes im Frankfurter Edelpuff am Kettenhofweg 124a.
Die Russen-Mafia war es. Das wußte die »Kronzeugin« (Explosiv) ganz genau. Bordellier Gabor Bartos sei in schlimme Geschäfte verwickelt gewesen. So bedrückt wie die Liebesdienerin sieht nicht mal Innenminister Kanther aus, wenn er über Iwans finstere Horden räsoniert.
Heutzutage steckt die ganze Welt mit der ganzen Welt unter einer Decke, aber warum immer bei Marita?
»Die hat einen an der Ratter«, tobte vorige Woche der in der Frankfurter Unterwelt einschlägig beleumundete Eberhard ("Ebby") Thust. Er hatte mal wirklich mit Peter Graf zu tun, und das hat ihm 858 Tage Knast eingebracht. Der Gefährte der einstigen Graf-Gespielin Nicole Meissner will jetzt reden. »Wenn ich auspacke«, hat er gedroht, »wird es so einen Knall geben, daß der liebe Herr Graf aus dem Bett fällt.« Nicht bei Marita, eher schon im Cafe Landes. Y