Hamburg Zoff in der jüdischen Gemeinde
Hamburg - Der Grund seien eine "undemokratische Gemeindepolitik", "unwürdiger Umgang mit Mitgliedern" sowie "rufschädigendes Auftreten in der Öffentlichkeit" durch den jetzigen Vorstand Andreas Christoph Wankum sowie den Beiratsvorsitzenden Ulrich Lohse.
Unter dem seit Mitte 2003 amtierenden Vorsitzenden und CDU-Bürgerschaftsabgeordneten Wankum sei eine "Missachtung" von fünf neu gegründeten Jüdischen Gemeinden in Schleswig-Holstein zu verzeichnen. So habe der Hamburger Vorstand versucht, die Anmeldung eines Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden von Schleswig Holstein e.V. aus dem Register tilgen zu lassen. Die Entscheidung des Amtsgerichts, diesen Antrag abzulehnen, war von Vorstand Wankum als "antisemitisch" bezeichnet worden.
Ebenfalls weigere sich der Hamburger Vorstand "vertragswidrig", so die innerjüdischen Kritiker, der Jüdischen Gemeinde in Lübeck die Synagoge zurückzugeben. Wankum bestreitet die Vorwürfe, da die Liberalen Juden in Schleswig-Holstein formal nicht zur Jüdischen Gemeinde Hamburgs gehörten. Auf der Grundlage von zwei inzwischen gekündigten oder neu zu verhandelnden Staatsverträgen zwischen JGH sowie der Landesregierung in Kiel und der Hansestadt Hamburg werden alleine dieses Jahr 960.000 Euro staatliche Zuschüsse an die JGH überwiesen. Bundesweit fließen insgesamt 28 Millionen Euro von den Landesregierungen in die jüdischen Gemeinden.
Ein ordentlicher Haushalt für die Verwendung der staatlichen Mittel durch den Vorstand der JGH liegt derzeit weder für 2003 noch für 2004 vor. Für Wankum, Geschäftsführer der in Insolvenz gegangenen Immobilienfirma Deuteron, sind das "schwere Versäumnisse" der vorherigen Gemeindeführung, der er eine "ungeordnete Buchhaltung" vorwirft. Als "Sanierungsvorstand" will Wankum jetzt Kultussteuern erheben lassen und bei rund 2500 Mitglieder ausstehender Mitgliedsbeiträge in "Millionenhöhe" eintreiben.
Die JGH ist mit 3,7 Millionen Euro "negatives Reinvermögen" belastet. Der Zentralrat der Juden beschäftigte sich gestern in Berlin ebenfalls mit dem Streit in der Hamburger Gemeinde. "Sollten die Vorwürfe zutreffen und nicht nur böse Gerüchte sein", sagt Zentralrats Generalsekretär Stephan Kramer, "werden wir reagieren".