Harald Fiedler - DER SPIEGEL
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Klüger werden mit: Harald Fiedler

Der 72-jährige Musiklehrer über seinen Einsatz gegen die musikalische Dauerberieselung
• aus DER SPIEGEL 28/2002
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

SPIEGEL: Warum stört einen Musiklehrer Musik?

Fiedler: Ich wehre mich lediglich gegen die Zwangsbeschallung in Hotels, Restaurants, Einkaufscentern, Bahnhöfen, Museen oder telefonischen Warteschleifen. Studien beweisen, dass die Dudelei körperliche und seelische Stressreaktionen noch verstärkt. Ein erhöhter Blutdruck, beschleunigter Herzschlag und Magen-Darm-Beschwerden sind die Folge.

SPIEGEL: Sie haben einen Verein namens »Pipe Down - Lautsprecher aus!« gegründet und behaupten, Stille sei ein menschliches Anrecht. Wie kommen Sie darauf?

Fiedler: Das ist doch eine Selbstverständlichkeit. Leider ist das nicht gesetzlich verankert. Viele Mitglieder unseres Vereins, darunter auch Juristen, bemühen sich aber darum.

SPIEGEL: Wie wehren Sie sich?

Fiedler: Wenn ich in einem Supermarkt in Ruhe einkaufen oder im Restaurant ungestört essen will, bitte ich den Geschäftsführer, die Musik für die Zeit meines Aufenthalts abzudrehen. Wir raten unseren Mitgliedern, nach einer vergeblichen Bitte Beschwerdebriefe zu schreiben. Falls auch das nichts nützt, bleibt nur noch der Boykott.

SPIEGEL: Gibt es Erfolge?

Fiedler: Ja. Die geplante Dudelei in Kasseler Straßenbahnen konnten wir verhindern. Dass die Musik auf dem Londoner Flughafen Gatwick abgeschaltet wurde, ist das Verdienst unserer Londoner Gruppe.

SPIEGEL: Eigentlich soll die Musik doch entspannen. Sind Sie vielleicht ein wenig überempfindlich?

Fiedler: Nein, das glaube ich nicht. Das ist so wie beim Rauchen, wo mittlerweile ja auch immer mehr Nichtraucherzonen eingerichtet werden. Außerdem gibt es zum Glück so etwas wie Minderheitenschutz.

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