Harksen-Prozess Geständnis eines Millionenbetrügers
Hamburg - "Das war eine Kombination aus Gier, Überzeugung und Bestätigung von narrenhaften deutschen Banken", sagte der 42-Jährige heute. Er habe die Anleger mit märchenhaften Geschichten an der Nase herumgeführt. Es waren zum Teil Rechtsanwälte, Wirtschaftsprüfer und Pop-Musiker, die auf den "König der Hochstapler" reinfielen. Hauptgeschädigter im Prozess ist ein ehemaliger Bauunternehmer, der Harksen über 27 Millionen Mark anvertraute. Den Investoren hatte Harksen unter Verweis auf geheime Ölvorkommen in Spitzbergen eine Rendite von 1300 Prozent versprochen.
Die Investition in Skandinavien habe es nie gegeben, so Harksen. "Ich habe den Betrag durch meinen verschwenderischen Lebensstil ausgegeben." Seinen Erfolg erläuterte er folgendermaßen: "Die Legenden waren äußerst abenteuerlich. Die Kunden wollten die Sachen schöner geredet haben. Ich hatte keinerlei Broschüren oder Bilanzen, ich war eher schillernd." Den Investoren habe ein "grünes Dokument mit vielen Schreibfehlern drin, aber mit vielen Stempeln drauf" als Sicherheit genügt. So hätten ihm die Anleger 200 Mal Geld gegeben, obwohl 100 Wechsel geplatzt seien. "Wenn die Gier kommt, sie macht einen blind. Sie blockiert jede Vernunft", sagt Harksen über seine Kunden.
Auch die Banken hätten alle seine Geschichten geglaubt. Sie waren, trotz Schufa-Eintrags und Millionen-Überziehungen, von Harksens Riesenvermögen überzeugt und räumten ihm ständig neue Kredite ein. So habe ihm beispielsweise die Hamburgische Landesbank einen Kredit über 29 Millionen Mark beschafft, sagte der mutmaßliche Hochstapler.
Der Angeklagte war Ende der achtziger und Anfang der neunziger Jahre auf dem so genannten grauen Kapitalmarkt bekannt geworden. Mit seiner Firma "Nordanalyse" und seinem ausschweifenden Lebensstil habe er die Kunden angelockt. Darunter auch Pop-Altmeister Dieter Bohlen. Dieser hatte drei Millionen Mark an "Mister Money" gezahlt. Vor Wut habe der Pop-Millionär in Harksens Büro in seinen Metallkoffer gebissen, als dieInvestment-Blase platzte, sagte der Angeklagte. Harksen versicherte, er habe Bohlen das Geld plus einer Abfindung von 600.000 Mark zurückgegeben.
Harksen hatte sich nach jahrelangem Versteckspiel nach Südafrika abgesetzt, wurde aber Ende Oktober vergangenen Jahres ausgeliefert. Daher konnten auch nicht alle ursprünglichen Vorwürfe, der Betrug an 62 Anlegern, in die Anklage aufgenommen werden. Nach den Auslieferungsbestimmungen des südafrikanischen Justizministers darf Harksen nur wegen Betruges an drei Investoren angeklagt werden.
Mit seinem heutigen Geständnis versuchte Harksen seine Ehefrau Jeanette schuldlos dastehen zu lassen. Sie soll ihm für seine illegalen Transfers ihre Konten zur Verfügung gestellt haben. "Sie war geschäftlich nicht involviert", so Harksen.