Heidelberger Arztmord Habgier oder Rache als Motiv
Heidelberg - Die Polizei in Heidelberg geht mittlerweile bei der Suche nach dem oder den Dreifachmördern jeder noch so kleinen Spur nach. Am Samstag bat sie die Heidelberger Taxifahrer um Mithilfe bei der Aufklärung der drei Morde in einer Kinderarztpraxis. Es könne nicht ausgeschlossen werden, dass der oder die Täter mit dem Taxi zum Tatort gelangt oder von dort weggefahren seien. Deshalb verteilten die Fahnder über die Taxizentralen ein Fahndungsblatt an die Fahrer in Heidelberg und Mannheim.
Gleichwohl ist es den Fahndern noch immer ein Rätsel, warum der 61 Jahre alte Kinderarzt, seine 66-jährige Frau und eine 24 Jahre alte Arzthelferin am Abend vor Heiligabend zwischen 17.45 und 20.00 Uhr sterben mussten. Mittlerweile ist klar, dass der Arzt seine Frau telefonisch von zu Hause in die Praxis bestellte, nachdem er überfallen wurde. Vermutlich musste die Ehefrau dabei die Scheckkarte des Arztes mitbringen. Kurz darauf wurden alle drei mit einem Nylonseil erwürgt, so die bisherige Ermittlung. Möglich sei aber auch, dass der Arzt mit den Tätern die Praxis verlies, um ihnen an einem Bankautomaten Bargeld zu ziehen.
Doch neben der Raubmordvariante verfolgt die Polizei auch noch eine andere Spur. Nach Informationen der "Bild"-Zeitung war der Kinderarzt Mitte der 90er wegen eines ärztlichen Kunstfehlers verklagte worden, wurde aber freigesprochen. Trotzdem ermitteln die Beamten, ob die aktuelle Tat mit dem Verfahren zu tun haben könnte. "Wir prüfen, ob der Kinderarzt Feinde hatte", sagte ein Ermittler der "Bild".
Auch über das Wochenende setze die Sonderkommission "Praxis" ihre Ermittlungen fort. Mehr als 40 Beamte überprüfen weiter Spuren und Hinweise aus der Bevölkerung. Es würden etwa 150 Spuren bearbeitet, darunter seien etwa hundert Hinweise aus der Bevölkerung, hieß es.