Heidi Schüller: „Miss Olympia“ kämpft um ihre Würde - DER SPIEGEL
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Heidi Schüller „Miss Olympia“ kämpft um ihre Würde

Sie war das Gesicht der Olympischen Spiele in München, später wäre sie beinahe Gesundheitsministerin geworden. Doch heute ist Heidi Schüller verzweifelt: Ihre Ehe ist kaputt, und die Ärztin und Journalistin hat Schulden.
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München – Sie habe derzeit "keine Chance, das Geld zu verdienen, das ich brauche“, berichtet Schüller, 52, der Münchner "Abendzeitung“. "Einen Promi-Bonus gibt es nicht, die Bank will mir den Hahn zudrehen“, erzählt Schüller weiter: Bis vor zwei Jahren glaubte ich, ich sei eine glückliche Frau, seitdem ist es der absolute Horror.“ Sie gibt zu: "Ich kann nicht mehr. Für alle habe ich immer vorausgesehen, was ihnen passiert – nur für mich nicht.“

Dabei war Heidi Schüller einmal eine der schillerndsten Frauen der Bundesrepublik – für eine kurze Zeit, Anfang der siebziger Jahre. Denn die damalige Leichtathletin durfte 1972 bei den Olympischen Spielen in München vor einem Millionenpublikum in aller Welt den Olympischen Eid sprechen. Als Sportlerin war sie bei den Spielen weniger erfolgreich: Im Weitsprung wurde sie Fünfte, im Hürdenlauf schied sie in der Zwischenrunde aus. Aber durch den Eid war sie eben zu einem schönen Aushängeschild der Bundesrepublik geworden.

Heidi Schüller promovierte "magna cum laude“ in Medizin, wurde Moderatorin in Talkshows ("Talk im Turm“, "Drei Nach Neun“), schrieb Bücher ("Die Alterslüge“). Beinahe wäre sie sogar zur Spitzenpolitikerin geworden: 1994 wollte sie der damalige SPD-Kanzlerkandidat Rudolf Scharping als Gesundheitsministerin in sein Kabinett holen. Zweifel an ihrer Qualifikation hatte Schüller damals nicht: "Wer eine Herz-Lungen-Maschine bedient, kann auch ein Ministerium leiten“, sagte sie kess.

Aber: Erstens verlor Scharping die Wahl, und zweitens hatte es sich Schüller mit Scharping zwischenzeitlich verdorben. Sie hatte gefordert, man müsse darüber nachdenken, "ob man 98-jährigen Alzheimer-Patienten nicht das Wahlrecht entziehen sollte“, was Scharping als "törichtes Gerede“ abtat.

Aber seitdem hat Heidi de Bucourt-Braun, wie sie jetzt heißt, das Glück offenbar verlassen. Zwei Ehen scheiterten, die Kinder Max, 21, und Cecilia, 16, seien ihr entfremdet, Freunde verschwunden, heißt es in der "Abendzeitung“. Und die Schulden drücken. Schüller hat neben einem Haus im Kölner Villen-Vorort Rodenkirchen noch mitten im Berliner Regierungsviertel eine Wohnung ("ikea-mäßig, aber wenn nichts passiert, kann ich in zwei Monaten die Miete nicht mehr zahlen), weil sie auf einen Job als Journalistin hofft. Aber ihr einstiger "Promi-Bonus“ scheint ihr heute auf dem übersättigten Markt nicht mehr zu helfen. Und auch als Ärztin kann sie nicht mehr arbeiten, weiß Schüller: "In die Medizin kann ich nach so langer Auszeit nicht wieder zurück.“

Einladungen zu Vorträgen seien rar geworden, mit Buch-Veröffentlichungen klappe es auch nicht mehr: "Ich habe eine Schreibphobie“. Aber aufgeben will Schüller nicht: "Ich kämpfe um meine Würde. Irgendwie wird es schon wieder gehen.“ Einen Trost hat die einstige Deutsche Meisterin über 100 Meter Hürden noch: ihren BMW Z3, ein Cabrio. "Meinen Schmuck kann man versteigern, das Haus pfänden, aber das Auto gebe ich nicht her, das ist ein Lebensgefühl.“