Heimflug: Marc Wallert in Tripolis - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Heimflug Marc Wallert in Tripolis

Nach mehr als viermonatiger Geiselhaft ist der deutsche Marc Wallert endlich auf dem Weg in die Heimat. Doch zunächst wird Station in Libyen gemacht, das bei der Vermittlung der Freilassung eine wichtige Rolle gespielt hatte.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Tripolis - Wallert und drei weitere ehemalige Geiseln der philippinischen Abu-Sayyaf-Rebellen werden am Dienstag in der Hauptstadt Tripolis an einer Begrüßungsfeier teilnehmen. An der Zeremonie auf dem Grünen Platz im Herzen der Metropole werde auch der Sohn des libyschen Revolutionsführers Muammar Gaddafi, Saif el Islam, teilnehmen, gab die Gaddafi-Stiftung bekannt. Er war maßgeblich an den Verhandlungen mit den Entführern auf der Insel Jolo beteiligt. Unterdessen bahnt sich mit der Entführung dreier Malaysier von der Insel Padanan nahe der Philippinen ein neues Geiseldrama an.

Wallert gehörte zu einer Gruppe von 21 Personen, die am Ostersonntag von der malaysischen Insel Sipadan nach Jolo verschleppt worden war. Unter den Geiseln waren auch seine Eltern Walter und Renate Wallert. Von dieser Gruppe ist nur noch ein Philippiner in der Hand der Entführer. Später haben die Moslemrebellen der Gruppe Abu Sayyaf weitere Geiseln genommen, darunter zwei französische Fernsehjournalisten. Deren Freilassung erwartet der libysche Unterhändler Radschab Assaruk "in zwei bis drei Tagen".

"Auf Wiedersehen, Philippinen", sagte Wallert, als er zusammen mit dem Franzosen Stephane Loisy und den Finnen Seppo Juhani Franti und Risto Mirco Vahanen an Bord des Flugzeugs ging. Ob Bundesaußenminister Joschka Fischer nach Libyen reist, um Wallert persönlich abzuholen, war am Montag noch unklar. Finnlands Außenminister Erkki Tuomioja wird nach Informationen der finnischen Nachrichtenagentur STT in Libyen erwartet.

Die Übergabe einer ersten Geiselgruppe, in der sich auch Marc Wallerts Vater befand, fand demonstrativ vor den Ruinen der früheren Residenz Muammar Gaddafis statt, die US-Kampfflugzeuge 1986 bombardiert und zerstört hatten. Offiziell gab es keine Erklärung, warum die Zeremonie diesmal an anderer Stelle stattfinden soll. Diplomaten sagten jedoch, Libyen wolle die USA und die europäischen Politiker nicht in Verlegenheit bringen.

Die am Sonntag in Malaysia gemeldete neue Entführung ähnelt der Geiselnahme vom Ostersonntag. Padanan liegt nicht weit von Sipadan entfernt, wo die Abu Sayyaf damals die Wallerts und 18 weitere Personen in ihre Gewalt brachte. Die Entführten sind der malaysische Manager einer Ferienanlage sowie ein Tauchlehrer und ein Bauunternehmer, der Gast in der Anlage war.

Mehr lesen über