PUNK Helden des Abschaums
Manche von ihnen wurden weltberühmt - so wie die Modeschöpferin Vivienne Westwood, die auf dem Weg zum Ruhm schlüpferlos zur Audienz bei der Queen vorbeischaute. Manche von ihnen wurden sehr erfolgreich - so wie Stephen Colegrave, der erst Punk-Musiker war, später Bakelit-Telefone verkaufte, um dann zum Marketingdirektor bei Saatchi & Saatchi aufzusteigen, und der ein 400 Seiten starkes Buch über die wilde Zeit des Punk zusammengestellt hat. Andere wiederum kamen gar nicht dazu, ihre Lebensgeschichte aufzuschreiben, sie knallten sich eine Überdosis in die Venen, so wie Sid Vicious, Bandmitglied der Sex Pistols. Punk, so lehrt das Buch, war mehr als Pöbeln in der Fußgängerzone; Punk war eine Haltung, so gefährlich wie interessant wie energetisch, und dies deutlich zu machen, ist die Leistung des Buches. Es beginnt vor 1975 und collagiert fünf Jahre, die Autoren reihen Erinnerungen und Fotos, Pathos und Sauereien aneinander, von Andy Warhol, den New York Dolls und den Ramones, von Johnny Rotten und Vivienne Westwoods Boutique, die sie »Sex« nannte. Das Erstaunliche an diesem Buch: Es will nichts erklären, sondern nur erzählen - und deshalb erklärt es so viel.
»Punk«. Collection Rolf Heyne, München; 400 Seiten; 48 Euro.