Klüger werden mit: Hermann Bausinger
SPIEGEL: In den vergangenen Wochen haben Professoren der Uni Tübingen Vorlesungen für Kinder gehalten. Durften die Kinder die Themen selbst bestimmen?
Bausinger: Nein, die haben wir uns vorher überlegt. Wir versuchen, den Kindern Warum-Fragen zu beantworten. Warum speien Vulkane Feuer, warum sterben wir, warum gibt es Männer und Frauen? Mein Thema war: Warum lachen wir über Witze? Ich habe mich auf diese Vorlesung sogar länger vorbereitet als üblich.
SPIEGEL: War das ein einmaliges Experiment?
Bausinger: Die Veranstaltungen sind so gut angekommen, dass wir die Reihe im nächsten Jahr mit Sicherheit fortsetzen werden.
SPIEGEL: Wie viele Kinder kamen jeweils in den Hörsaal?
Bausinger: 500 bis 800 Kinder zwischen 8 und 13 Jahren bei jeder Vorlesung. Erst wurden Kinderstudentenausweise verteilt, dann die Eltern hinausgeschickt. Dann folgte ein 30minütiger Vortrag.
SPIEGEL: Was war das für ein Gefühl, vor so vielen Kindern zu dozieren?
Bausinger: Ich war ein bisschen nervös. Aber als ich eine halbe Stunde vor Beginn in den Hörsaal kam, saßen da schon 200 Kinder. Ich spürte sofort die freundliche Atmosphäre.
SPIEGEL: Was unterscheidet Kinder von Studenten?
Bausinger: Die Kinder sind interessierter, sie stellen mehr Fragen. Sie sind aufgeschlossener und sehr aufmerksam. Für sie ist der Uni-Besuch ein besonderes Erlebnis, für Studenten nicht mehr. Sie besuchen ja Woche für Woche ihre Vorlesungen.
SPIEGEL: Was haben Sie in der Vorlesung von den Kindern gelernt?
Bausinger: Sie haben mir Witze erzählt, die ich noch nicht kannte. Und manche habe ich, ehrlich gesagt, überhaupt nicht verstanden.