Hermann Bausinger - DER SPIEGEL
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Klüger werden mit: Hermann Bausinger

Der 75-jährige Kulturwissenschaftler über den Unterschied zwischen Studenten und Kindern
• aus DER SPIEGEL 31/2002
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

SPIEGEL: In den vergangenen Wochen haben Professoren der Uni Tübingen Vorlesungen für Kinder gehalten. Durften die Kinder die Themen selbst bestimmen?

Bausinger: Nein, die haben wir uns vorher überlegt. Wir versuchen, den Kindern Warum-Fragen zu beantworten. Warum speien Vulkane Feuer, warum sterben wir, warum gibt es Männer und Frauen? Mein Thema war: Warum lachen wir über Witze? Ich habe mich auf diese Vorlesung sogar länger vorbereitet als üblich.

SPIEGEL: War das ein einmaliges Experiment?

Bausinger: Die Veranstaltungen sind so gut angekommen, dass wir die Reihe im nächsten Jahr mit Sicherheit fortsetzen werden.

SPIEGEL: Wie viele Kinder kamen jeweils in den Hörsaal?

Bausinger: 500 bis 800 Kinder zwischen 8 und 13 Jahren bei jeder Vorlesung. Erst wurden Kinderstudentenausweise verteilt, dann die Eltern hinausgeschickt. Dann folgte ein 30minütiger Vortrag.

SPIEGEL: Was war das für ein Gefühl, vor so vielen Kindern zu dozieren?

Bausinger: Ich war ein bisschen nervös. Aber als ich eine halbe Stunde vor Beginn in den Hörsaal kam, saßen da schon 200 Kinder. Ich spürte sofort die freundliche Atmosphäre.

SPIEGEL: Was unterscheidet Kinder von Studenten?

Bausinger: Die Kinder sind interessierter, sie stellen mehr Fragen. Sie sind aufgeschlossener und sehr aufmerksam. Für sie ist der Uni-Besuch ein besonderes Erlebnis, für Studenten nicht mehr. Sie besuchen ja Woche für Woche ihre Vorlesungen.

SPIEGEL: Was haben Sie in der Vorlesung von den Kindern gelernt?

Bausinger: Sie haben mir Witze erzählt, die ich noch nicht kannte. Und manche habe ich, ehrlich gesagt, überhaupt nicht verstanden.

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