Himmlische Heirat: Ja-Wort aus dem All - DER SPIEGEL
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Himmlische Heirat Ja-Wort aus dem All

Hochzeitsnacht und Flitterwochen folgen im Oktober. Den Eheschwur hat ein russischer Astronaut seiner amerikanischen Braut schon jetzt gegeben, per Video-Schaltung aus der Raumstation. Doch die erste Eheschließung im All soll auch die letzte bleiben.
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Houston - Der Bräutigam erschien gleich doppelt zur Zeremonie. Einmal stand er als lebensgroßes Pappfoto neben der Braut im Raumfahrtzentrum der Nasa in Houston, und dann erschien auch der echte Jurij Malentschenko, live zugeschaltet aus der Internationalen Raumstation ISS.

Aber sonst hielt man sich ans Zeremoniell. Die Braut Ekaterina Dmitrijew kam im cremefarbenen Kleid, der Bräutigam Malentschenko trug Fliege zum Astronauten-Anzug. Und der Trauzeuge im All, der amerikanische Kosmonaut Ed Lu, spielte auf einem Computer den Hochzeitsmarsch. "Es war alles sehr rührend", beschrieb die Hochzeitsplanerin die Hochzeit. Dank einer aufwendigen Video-Übertragung konnte sich das Brautpaar beim Ja-Wort in die Augen sehen. Den Ehering musste sich jeder selber über den Finger streifen. Die Braut hauchte ihrem im Orbit kreisenden Mann einen Kuss zu und zog dann alleine zur Hochzeitsparty mit 200 Gästen davon.

Aber nicht alle Beteiligten waren in Party-Stimmung. "Ein Kosmonaut sollte sich nicht wie ein Filmstar aufspielen", schimpfte ein Luftwaffengeneral in Moskau. Der Militärpilot Malentschenko habe sich mit dem Heiratsplan über ein Verbot des Luftwaffenkommandos hinweggesetzt, berichteten russische Medien. Die nationale Raumfahrtbehörde will dafür sorgen, dass die Trauung die erste und auch die letzte Zeremonie dieser Art bleibt. Künftigen Weltraumfahrern wolle man in den Vertrag schreiben, dass Hochzeiten bis zur Rückkehr aus dem All zu warten haben.

Wegen technischen und rechtlichen Problemen hatten Malentschenkos Vorgesetzte die Hochzeit zunächst abgesagt. Malentschenko beauftragte darauhin einen US-Anwalt, der in seinem Namen die Heiratsdokumente in Houston, Texas, unterschrieb. In dem US-Bundesstaat gibt es ein Gesetz, das eine Heirat in Abwesenheit erlaubt, wenn Braut oder Bräutigam mit ernsthafter Begründung nicht erscheinen können.

Die Braut gab an, mit der Hochzeit nicht mehr bis zur Rückkehr ihres Jurij im Oktober warten zu können, da ihr nach dem Absturz der Raumfähre Columbia im Februar die Gefahr bewusst geworden wäre, der ihr Verlobter täglich ausgesetzt sei. Die amerikanische Raumfahrtbehörde Nasa spielte daraufhin widerwillig mit. Sie stellte dem Paar eine private Videoverbindung her, ließ die Hochzeit aber nicht über das Nasa-Fernsehen übertragen.

Die Mutter des Bräutigams hatte noch am Wochenende Bedenken an der Vermählung geäußert. "Wir denken, dass es nicht geschehen sollte", sagte Nina Malentschenko. Erst am Samstag hätte sie von den Hochzeitsplänen ihres Sohnes erfahren. "Ein Freund rief uns an und sagte, dass er es aus der Zeitung erfahren habe." Ihr Sohn habe während eines darauf folgenden Telefonats nur wenig über die Trauung gesprochen, klagte die Mutter weiter. Sie und ihr Mann hätten auch die Braut noch nicht gesehen.

Dennoch scheint zumindest der Vater Iwan stolz auf seinen Sohn zu sein: "Jetzt wird jeder die zwei Jurijs kennen: Jurij Gagarin, den ersten Menschen im Weltall und Jurij Malentschenko, den ersten Menschen, der im Weltall heiratete."

An wessen Seite sein Sohn in die Geschichtsbücher einziehen könnte, erfährt Iwan Malentschenko spätestens Ende Oktober. Nach der Rückkehr des Sohnes wird es eine kirchliche Trauung in Russland und Flitterwochen in Australien geben.

Ekaterina Dmitrijew kam im Alter von drei Jahren in die USA. Seit 1995 ist sie amerikanische Staatsbürgerin und lebt in Texas. Jurij Malentschenko lernte sie vor rund fünf Jahren kennen. Seit vergangenem Jahr sind die beiden ein Paar.