Hintergrund: Geiselnahmen in Kindergärten - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Hintergrund Geiselnahmen in Kindergärten

Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Hamurg - Geiselnahmen in Kindergärten sind relativ selten. Etwa zwei Wochen vor dem Überfall auf die "Spielschule" im luxemburgischen Wasserbillig hatte im Mai ein Norweger Polizei und Eltern in Atem gehalten. Einige Fälle seit den neunziger Jahren:

Mai 1993 in Frankreich: Fast 48 Stunden hält ein 42-Jähriger im Pariser Vorort Neuilly zunächst 20 Kinder in seiner Gewalt. Der mit Dynamitstangen bewaffnete Gangster erpresst umgerechnet 3,5 Millionen Mark. Bevor der gebürtige Algerier fliehen kann, wird er erschossen.

Dezember 1995 in Russland: Ein tragisches Ende findet der Überfall auf einen Hort in Wladikawkas. Zunächst kann die Polizei einige der 16 Kinder unbemerkt retten, dann zündet der 30 Jahre alte Verbrecher eine Handgranate. Drei Kinder zwischen vier und fünf Jahren werden getötet, der Täter wird überwältigt. Er hatte Lösegeld verlangt.

März 1996 in Frankreich: Ein Drogenabhängiger klettert durch ein Fenster in einen Kindergarten in Marseille und nimmt 15 Kinder als Geiseln. Zunächst lässt der mit einem Gewehr bewaffnete Mann die meisten frei; nach eineinhalb Stunden stürmen Elitepolizisten das Gebäude und beenden das Drama ohne Blutvergießen. Forderungen werden zunächst nicht bekannt.

Juni 1996 in Weißrussland: In Minsk dringt ein offenbar geistesgestörter Mann in einen Hort ein, in dem sich 15 Kinder und mehrere Erzieherinnen aufhalten. Er hat eine Kofferbombe bei sich und verlangt die Herausgabe seiner Akte aus einer psychiatrischen Klinik. Nach sechs Stunden töten ihn Polizisten mit gezielten Kopfschüssen.

Dezember 1997 in den USA: In einem privaten Kindergarten in der texanischen Kleinstadt Plano bei Dallas gerät ein bewaffneter Mann mit seiner dort beschäftigten Frau in Streit und bringt mehr als 60 Kinder in seine Gewalt. Nach und nach lässt der 33-Jährige die meisten frei und ergibt sich nach 30 Stunden der Polizei.

Mai 2000 in Norwegen: In der Ortschaft Hjelmeland, nordöstlich von Stavanger, hält ein Mann 25 Kinder und zehn Erwachsene fest. Er will damit auf ein seiner Meinung nach ungerechtes Sorgerechtsurteil aufmerksam machen, wie er auch live im Fernsehen sagt. Der 39-Jährige lässt die meisten der ein bis sechs Jahre alten Kinder nach und nach frei und ergibt sich nach elf Stunden.