Hirschruf-Wettbewerb: Betörendes Röhren - DER SPIEGEL
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Hirschruf-Wettbewerb Betörendes Röhren

Sie pusten in Schnecken, Zylinder und Hörner: In Dortmund haben Deutschlands beste Hirschrufer wieder um die Wette geröhrt. Erstmals trat eine Frau an - doch sie landete abgeschlagen auf dem letzten Platz.
Hirschruf-Wettbewerb: Betörendes Röhren
Hirschruf-Wettbewerb: Betörendes Röhren

Hirschruf-Wettbewerb: Betörendes Röhren

Foto: Bernd Thissen/ dpa
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Dortmund - Die mit den Hirschen sprechen: Deutschlands beste Hirschrufer haben einen neuen Meister. Andreas Töpfer heißt er, 48, aus Hannoversch Münden. "Ich übe grundsätzlich überhaupt nicht", sagte er nach seinem Sieg ein bisschen trotzig. Acht andere Rotwild-Imitatoren ließ der gelernte Schlosser am Freitag bei der Jagdmesse "Jagd & Hund" in den Dortmunder Westfalenhallen hinter sich.

Die Herren und eine Dame meinen es ernst, wenn sie in Plastikröhren, fast fußballgroße Meeresschneckenhäuser oder hohle Ochsenhörner pusten. In freier Wildbahn wollen Jäger, die sich auf die "Ruf- und Lockjagd" verstehen, mit den nachgeahmten Brunftschreien den Hirsch aus der Deckung locken. Für einen möglichen Abschuss können sie ihn dann besser beurteilen. Um bei einer Deutschen Meisterschaft der Hirschrufer zu starten, muss man aber kein Jäger sein - ein bisschen Mut, Talent und Spaß an der Sache reichen völlig.

Wie etwa bei Hildegard Zervos, der ersten weiblichen Teilnehmerin überhaupt. Wie kommt eine 63-jährige Nicht-Jägerin dazu, röhrende Hirsche zu imitieren? "In erster Linie, weil es mir einfach Spaß macht", sagt sie. Im selben Atemzug berichtet sie von ihrer Liebe zur Natur. "Ich bin jede freie Minute im Wald." Die Natur gebe ihr immer wieder Lebenskraft.

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Wett-Röhren: Hier ruft der Hirsch

Foto: dapd

Vor gut drei Jahren fing es an. Sie besuchte die alljährliche Jagdveranstaltung "Halali" in der Eifelstadt Monschau. Der siebenjährige Sohn eines Bekannten wollte gerne an einem Hirschruferwettbewerb für Jedermann teilnehmen. Die anwesenden Herren mochten nicht - also ging Hildegard Zervos mit, ließ sich anweisen und röhrte zum ersten Mal. Auch in den nächsten beiden Jahren machten die Naturliebhaberin und ihr junger Begleiter mit. Sie selbst schaffte zuletzt den dritten Platz von acht.

Zur Teilnahme an den Deutschen Meisterschaften hat sie nun eine Freundin überredet, mit der sie sonst ihr Hobby als Bogenschützin teilt. Schon zum zehnten Mal besuchte Zervos in diesem Jahr die Dortmunder Messe. Die Hirschrufer-Meisterschaft fand sie dabei "immer faszinierend". Vor ihrer Haustür im Kreis Düren gibt es allerdings keine Hirsche. Dafür müsste sie in die Eifel fahren - oder zu einem Wildgehege.

Versuch am lebenden Objekt

So wie neulich, als sie ihre neue Kunst einmal am lebenden Objekt ausprobieren wollte. Mit Erfolg: Der fachmännisch Gerufene lief mit neugierigen Schritten auf sie zu. "Der Platzhirsch kam bis zum Zaun. Da fühlt man zum ersten Mal, was so ein Jäger erlebt. Man ist so angetan von diesem edlen Tier." Wäre sie Jägerin, sie könnte vermutlich nicht schießen, meint sie.

Drei Disziplinen hatte der Wettkampf in Dortmund, der von einem Fachverlag ausgerichtet wurde. Zunächst mussten die Kontrahenten einen jungen Hirschen imitieren, der am Rande eines Brunftplatzes steht. Dann ging es darum, zwei Hirsche nachzuahmen, die sich ein "Rufduell" liefern. Schließlich erklang noch ein alter Hirsch, der nicht mehr viel Erfolg bei den weiblichen Tieren hat. Die Hirschrufer traten einzeln vor die Mikrofone und legten los: mal überschwänglich, mal dezent, mal vorsichtig und mal aufbrausend - und immer mit viel Gefühl. Eine Jury hörte zu und vergab Punkte.

Am Ende landet Hildegard Zervos auf dem neunten Platz - dem letzten. Sie trägt es mit Fassung. "Es hat mir Spaß gemacht. Dass ich das Schlusslicht werde, habe ich von vorneherein gewusst", sagt sie. Vielleicht macht sie im nächsten Jahr wieder mit - "wenn es passt".

jdl/dpa

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