Der Mittelmeerraum kämpft mit Waldbränden und Hitze. Auch Italien leidet unter Extremtemperaturen: Ein ungewöhnlich starkes Subtropenhoch hatte sich in den vergangenen Wochen über dem Land aufgebaut. An einigen Messtationen wurden mehr als 47 Grad registriert. SPIEGEL-Korrespondent Frank Hornig hat die drückende Hitze hautnah miterlebt.
Frank Hornig, DER SPIEGEL
»Temperaturen, wie ich sie noch nicht erlebt habe. Ein heißer Wind, ein Wüstenwind im Grunde, der sich auch nachts nie abgekühlt hat, es ging vielleicht auf 38 Grad runter. Ich war vor ein paar Tagen abends am Strand in einer Fischbude essen. Das Skurrile war: Es gab ein Strandleben in völliger Dunkelheit, die Leute waren da im Bikini, in Badehose, auf ihren Strandtüchern, die Kinder haben im Wasser getobt, es gab Leute, die Beachvolleyball gespielt haben. Also eine ganz normale Strandszene, nur in Dunkelheit, was man tagsüber erlebt hat, war hier einfach nachts.«
Tagsüber überfordert die Hitze den Körper, insbesondere auch von älteren Menschen, wie hier in Palermo. An vielen Orten warnten die Behörden deshalb davor, sich im Freien aufzuhalten.
Frank Hornig, DER SPIEGEL
»Der Rat, den man bekommen hat von den Behörden, war: Leute, bitte bleibt zu Hause, geht von 10 bis 18 Uhr nicht ins direkte Sonnenlicht. Wenn ihr das machen müsst, tragt bitte entsprechende Kleidung, Kopfbedeckung. Ihr müsst wahnsinnig viel trinken, passt gut auf euch auf! Hier am Strand stehen Wagen des italienischen Zivilschutzes für Erste-Hilfe-Maßnahmen, wenn das nötig ist. Also das Land hat sich so ein bisschen darauf versucht einstellen. Man ist warmes Wetter gewohnt, aber nicht so.«
Hinzu kommt: Die extreme Hitze erschwert die Bekämpfung der an vielen Orten ausgebrochenen Brände, die wie hier auf Sizilien eine Kirche zerstörten. Ausgelöst werden die zwar meist durch Unachtsamkeit – oder Brandstiftung. Angefacht werden sie dann von Wind und starker Trockenheit. Die hohen Temperaturen belasten die Einsatzkräfte bei den Löschversuchen.
Frank Hornig, DER SPIEGEL
»Das war wirklich schrecklich, Flächenbrände, die bei einem sehr, sehr starken Wind sich extrem schnell verbreitet haben. Ich habe das vor ein, zwei Jahren selbst schon erlebt, wie das Feuer an unser Ferienhaus herangekrochen ist. Man versucht dann mit Wassereimern, mit Schläuchen, mit Schaufeln, das Feuer halbwegs zurückzudrängen. Und betet und hofft, dass dann Unterstützung aus der Luft kommt. Dann kommen die Löschhubschrauber, die fliegen dann immer zum Meer runter, laden Wasser auf, kommen zurück, werfen das Wasser über den Grundstücken ab. Aber von den Dingern gibt es auch nicht so viele. Das heißt, wenn es zu viele Brände gibt, dann gibt es Probleme, und die Leute haben wirklich viel, viel Angst in Sizilien, dass die Situation außer Kontrolle gerät.«