Hochwasser Balkan kämpft gegen Donaufluten
Dessau/Hitzacker/Bukarest Heftiger Regen und die Schneeschmelze hatten mehreren Balkanstaaten seit einigen Tagen für steigende Pegelstände gesorgt.
Die serbische Regierung rief in allen zehn Regionen der Republik den Notstand aus. Bei vier Flüssen des Landes rechneten die Behörden mit weiter steigenden Pegeln. Am kritischsten war die Situation in Smederevo, etwa 40 Kilometer östlich der Hauptstadt Belgrad. Dort lag der Pegel der Donau am Samstag bei 8,43 Meter und somit rund 40 Zentimeter über der bisherigen Rekordmarke. Nach Angaben des privaten serbischen Radiosenders B92 errichteten Polizisten, Soldaten und Einwohner der Stadt fieberhaft neue Dämme entlang der Donau, während das Wasser bereits in die Stadt eindrang. Hunderte Häuser standen unter Wasser, ihre Bewohner mussten evakuiert werden. Für die Hauptstadt Belgrad rechnen die Behörden in dieser Nacht mit dem höchsten Pegelstand. Sie riefen die Bevölkerung und alle Unternehmen in der Stadt auf, sich am Kampf gegen die Überschwemmungen zu beteiligen.
In Rumänien fließen seit Samstag 15.900 Kubikmeter Wasser pro Sekunde durch die Donau, wie das Umweltministerium in Bukarest mitteilte. Das sei das Doppelte des normalen April-Niveaus. Zuletzt sei im April 1895 der selbe Höchststand erreicht worden.
Bereits am Freitag hatten die rumänischen Behörden in zwölf Donau-Gebieten den Notstand ausgerufen. Rund 500 Soldaten wurden abgestellt, um die aufgeweichten Deiche zu flicken und Barrieren aus Sandsäcken zu bauen. Hunderte Häuser sind bereits durch das Hochwasser zerstört worden. Zusätzlich wurden gezielt Felder geflutet, um weitere Überschwemmungen in Wohngebieten zu verhindern und den Druck aus den Wassermassen zu nehmen. Auf diese Weise wurden 90.000 Hektar Fläche in Seen verwandelt - dies entspricht in etwa der Größe Berlins.
Im vergangenen Jahr hatte Rumänien die schlimmsten Überschwemmungen seit 30 Jahren erlebt. Dabei waren 80 Menschen ums Leben gekommen. Die Schäden beliefen sich auf mehr als 1,5 Milliarden Euro.
Entspannung in deutschen Hochwasserregionen
In den deutschen Hochwassergebieten entspannt sich die Lage weiter. In Sachsen-Anhalt hat die Polizei am Samstag einige wichtige Verbindungsstraßen für den Verkehr geöffnet. Nach Angaben des Landesbetriebs für Hochwasserschutzes liegen die Wasserstände mehr als einen Meter niedriger als beim Höhepunkt des Hochwassers vor etwa einer Woche.
Auch in Niedersachsen normalisiert sich die Lage. In den Kreisen Lüchow-Dannenberg und Lüneburg wurde der Katastrophenalarm wieder aufgehoben. Nach einer Woche Pause durften auf der Elbe auch wieder Schiffe fahren. In der historischen Altstadt von Hitzacker haben am Samstag einige Geschäfte wieder geöffnet. Der Strom war schon in den vergangenen Tagen nach und nach wieder angestellt worden. "Jetzt versucht halt jeder, seinen Betrieb wieder aufzunehmen", sagte die Sprecherin der Gemeindeverwaltung.
Sorge vor "Katastrophentourismus"
In der historischen Altstadt Hitzackers liefen die Aufräumarbeiten auf Hochtouren, sagte eine Sprecherin der Gemeindeverwaltung. Ein Großteil der Straßen sei wieder trocken. Tausende Sandsäcke müssten nun weggeräumt werden. Erste Geschäfte hätten bereits wieder geöffnet. So richtig entspannt sind die Behörden dennoch nicht. Nach der Angst vor den Fluten aus dem Osten gilt die Sorge jetzt den "Katastrophentouristen" - die könnten den weichen Deichen nämlich noch den Garaus machen. Die Behörden warnen deshalb Osterspaziergänger dringend davor, die Uferbefestigungen zu betreten.
reh/Reuters/AFP/dpa