Hochwasser Elbpegel übertrifft Höchstwert von 2002
Hitzacker/Lauenburg/Wittenberg - Im schleswig-holsteinischen Lauenburg übertrifft der Elbpegel mit 8,74 Metern um vier Zentimeter die Marke der Flut von 2002. Nach Angaben der Stadtverwaltung liefen zahlreiche Keller voll; Parkplätze am Elbufer standen unter Wasser. Mit dem Höchststand rechnet das örtliche Wasser- und Schifffahrtsamt am Wochenende. Das Wasser soll noch bis zu 8,90 Meter steigen. Dann würden voraussichtlich auch Teile der historischen Altstadt überschwemmt, hieß es. Die Situation sei allerdings weit weniger dramatisch als in Hitzacker.
Dort mussten heute Notstromaggregate aktiviert werden, nachdem in vielen Haushalten der Strom ausfiel. Der Elbpegel blieb unter dem Niveau von 2002. Heute Morgen betrug der Wasserstand 7,42 Meter. Stündlich steige der Pegel um etwa einen Zentimeter, teilten die Behörden mit. Der Höchststand wurde mit 7,47 Metern für den frühen Nachmittag erwartet.
Wegen der Hochwasserlage wurde in dem Kreis Lüchow-Dannenberg, in dem Hitzacker liegt, Katastrophenalarm ausgelöst. Auch in dem niedersächsischen Landkreis Lüneburg sowie in Ludwigslust in Mecklenburg-Vorpommern wurde am Mittag Alarm ausgerufen.
Im Rühstädter Bogen in Brandenburg lag der Pegel heute Morgen mit 7,14 Metern lediglich 20 Zentimeter unter der Höchstmarke von 2002. Die Lage sei aber noch beherrschbar, sagte der Bürgermeister von Rühstädt, Jürgen Herper. Der Scheitel der Flutwelle wird in diesen Stunden erwartet. Evakuierungsmaßnahmen sind nach Auskunft des Krisenstabes nicht geplant. In der Region sind weiter Bundeswehrsoldaten zur Sicherung der Deiche im Einsatz.
In Sachsen-Anhalt fielen die Pegel der Elbe dagegen weiter. Von Wittenberg bis Niegripp wurden sinkende Wasserstände gemeldet. In Magdeburg sank der Pegel innerhalb von 24 Stunden um drei Zentimeter auf 6,18 Meter, wie die Hochwasservorhersagezentrale mitteilte. Trotzdem war die Lage an den Deichen nach wie vor gefährlich. Vielerorts sind sie durchgeweicht, Sickerstellen müssen mit Sandsäcken gesichert werden, meldeten die Behörden heute.
Kritisch war die Lage im Landkreis Wittenberg. In dem Katastrophengebiet ist der Deich bei Prettin schwer beschädigt, mehrere Ortschaften mit rund 5000 Einwohnern waren gefährdet. Hubschrauber der Bundeswehr luden Sandsäcke auf die undichten Stellen.
Auch heute wurden wieder Soldaten erwartet. Landrat Hartmut Dammer sagte, die aktuelle Situation sei zwar nicht mit der Jahrhundertflut von 2002 zu vergleichen. Aber die Lage werde auch in den kommenden Tagen problematisch bleiben.
Auch in Magdeburg wurde die Situation als "angespannt, aber stabil" eingeschätzt. Der Elbscheitel, der hier angekommen war, soll sich den Prognosen zufolge bis Wochenbeginn halten. Wegen des hohen Wasserdrucks auf die Deiche werden die Sickerstellen wahrscheinlich zunehmen, sagte Einsatzleiter Holger Platz.
Die Deichwachen hätten das im Blick. Platz warnte vor Hochwasser-Tourismus. Das Betreten und Befahren der Deiche sei untersagt. Zudem riet der Einsatzleiter dringend davon ab, die überfluteten Bereiche zu betreten. Wegen der hohen Fließgeschwindigkeit der Elbe und ihrer gefluteten Nebenarme bestehe Lebensgefahr.
str/ddp/dpa/AFP/AP