Hochwasser: Flut kommt nach Mageburg - DER SPIEGEL
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Hochwasser Bangen in Magdeburg - Hoffen im Norden

In den Hochwassergebieten von Ostdeutschland verschärft sich die Lage. Auf Magdeburg rollt eine gewaltige Flutwelle zu, in Sachsen fließt das Wasser extrem langsam ab. In den nördlichen Bundesländern geben Prognosen Grund für vorsichtigen Optimismus.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Hamburg - In Bayern beginnen mancherorts die Aufräumarbeiten, weiter nördlich steht das Schlimmste noch bevor. Vor allem entlang der Elbe bleibt die Lage angespannt. Der höchste Punkt der gewaltigen Flutwelle bewegte sich in der Nacht zu Samstag auf Sachsen-Anhalt zu.

Vor allem in Magdeburg schauen die Menschen besorgt auf die Pegelstände. Die Hochwasserlage in Magdeburg ist nach Einschätzung der Behörden so kritisch wie noch nie. Am Freitagabend war die 7,20-Meter-Marke überschritten worden. Damit steht der Fluss rund einen halben Meter höher als beim Hochwasser 2002. Aus den Magdeburger Gebieten östlich der Elbe sollten alle Alten und Pflegebedürftigen in Sicherheit gebracht werden. 650 Bundeswehrsoldaten trafen am Freitagabend in Magdeburg ein, um im Kampf gegen das Hochwasser zu helfen.

Über eine Länge von 20 Kilometern seien mehrere Deiche zu verteidigen, teilten Ministerpräsident Reiner Haseloff, Innenminister Holger Stahlknecht (beide CDU) und Oberbürgermeister Lutz Trümper (SPD) mit. "Die nächsten Tage werden extrem und schwierig", sagte Trümper. Er gehe davon aus, dass nicht alle Bereiche geschützt werden könnten.

Haseloff forderte zur Bewältigung der Hochwasserkatastrophe die Solidarität der anderen Bundesländer. "Das ist eine nationale Aufgabe, da müssen die 16 Bundesländer und der Bund zusammenhalten", sagte Haseloff der "Mitteldeutschen Zeitung". Nötig sei ein "nationaler Wiederaufbaupakt".

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Hochwasser: Paddler auf der A3, Soldaten auf der Elbe

Foto: Jens Wolf/ dpa

Ebenfalls in Sachsen-Anhalt sollten 300 Bewohner eines Dorfs wegen eines vermuteten Deichbruchs an der Elbe ihre Häuser verlassen. Für die Menschen aus Susigke standen Busse bereit, um sie in eine Sporthalle in Osternienburg zu bringen.

Auch in den Hochwassergebieten in Sachsen hat sich die Lage weiter verschärft. Nahe Großtreben-Zwethau (Landkreis Nordsachsen) strömte durch einen defekten Deich Wasser landeinwärts. Etwa 500 Menschen wurden aufgefordert, ihre Häuser zu verlassen, wie ein Sprecher des Landratsamts in Torgau sagte. Die Bundeswehr und Fachleute versuchten in der Nacht, den Deich an der Elbe wieder zu verschließen.

Die Situation im sächsischen Elbtal bleibt weiter ernst. "Sinkende Pegelstände bedeuten keine Entspannung", sagte Landespolizeipräsident Rainer Kann. Die Wassermassen fließen nur zentimeterweise ab. Nach wie vor stehen Orte und Stadtteile unter Wasser, sind Straßen und Brücken gesperrt und der Bahnverkehr behindert.

Die Deiche und Schutzwälle in Dresden seien zwar alle sicher, würden aber weiter überwacht. Die Feuerwehr warnte davor, Grundwasser, das in den Keller eingedrungen ist, ohne Hinzuziehen eines Statikers abzupumpen. Die Statik der Häuser könnte "extrem gefährdet" sein.

Die Hochwasserlage in Brandenburg bleibt ebenfalls dramatisch. In Mühlberg (Elbe-Elster) hat der Druck auf den Deich immer weiter zugenommen. Rund 4500 Bürger mussten ihre Häuser und Wohnungen verlassen. Polizisten sind unterwegs, um das Eigentum der Bürger zu sichern.

In Halle an der Saale ist der Pegelstand des Flusses in den vergangenen 24 Stunden um rund einen halben Meter gesunken. Trotzdem bleibt die Lage auch dort angespannt. Das Wasser sank am Samstagmorgen auf einen Stand von 6,99 Metern. Nach Angaben eines Sprechers der Stadt stünden der Passendorfer und der Gimritzer Damm weiter unter enormem Druck durch das Wasser.

In Bayern zieht sich das Hochwasser langsam zurück, die Pegelstände fallen. Allerdings steigt dem Deutschen Wetterdienst zufolge die Neigung zu Schauern und Gewittern. Die Wasserstände könnten daher wieder leicht steigen. In Passau sind nach einer ersten Bilanz rund 800 Gebäude und 5000 Menschen vom Hochwasser betroffen. An mehr als 500 Privatpersonen und 330 Gewerbetreibende sind 2,4 Millionen Euro Sofortgeld ausgezahlt worden.

Im vom Hochwasser schwer betroffenen bayerischen Landkreis Deggendorf dürfen die Menschen in ihre Häuser in den evakuierten Bereichen zurückkehren. Ausgenommen sind die noch immer überfluteten Deggendorfer Stadtteile Fischerdorf und Natternberg sowie der Ort Niederaltaich, wie ein Sprecher des Landratsamts mitteilte.

Für Mecklenburg-Vorpommern wurden die Pegelprognosen etwas nach unten korrigiert. Nach der jüngsten Prognose soll in Dömitz am Dienstag oder Mittwoch der höchste Wasserstand mit 6,85 Meter erreicht werden, in Boizenburg einen Tag später mit 6,95 Meter. Dafür sind die Deiche ausgelegt. Deshalb werden die Elbdämme erst einmal nicht mit Sandsäcken erhöht. Reserven liegen aber bereit.

Auch in Schleswig-Holstein hofft man, dass die Flut weniger schlimm ausfällt: Das Wasser an der Elbe bei Lauenburg ist weniger stark gestiegen als befürchtet. Am Samstagmorgen lag der Pegelstand bei Hohnstorf mit 6,66 Metern 30 Zentimeter unter dem für diesen Zeitpunkt (6 Uhr) vorhergesagten Wert. "Noch ist die Lage ruhig", sagte ein Sprecher der Regional-Leitstelle Süd.

Die Fachleute gehen jetzt davon aus, dass die Elbe am Pegel Hohnstorf bei Lauenburg nächste Woche Mittwoch ihren höchsten Stand erreichen wird - und zwar mit 9,25 Metern. Danach soll er wieder sinken. Normalerweise beträgt der Wasserstand dort rund 4,80 Meter.

In Niedersachsen macht sich vorsichtiger Optimismus breit. Nachdem die Prognosen für die höchsten Pegelstände zwei Tage in Folge nach unten korrigiert wurden, setzen jetzt viele Anwohner darauf, dass es für sie diesmal doch nicht so schlimm kommt wie bisher befürchtet. Die höchsten Pegelstände werden dort ebenfalls erst am Mittwoch erwartet.

In Deutschland stemmen sich 70.000 Feuerwehrleute und mehr als 11.300 Bundeswehrsoldaten gegen die Flut. Mindestens sieben Menschen starben, seitdem in Deutschland die Hochwasserkatastrophe begonnen hat. Mehrere werden vermisst.

In Tschechien droht derweil neues Ungemach. Für das dortige Elbe-Einzugsgebiet sind Niederschläge am Wochenende angekündigt. Das werde die Hochwasserlage an dem Fluss nicht verschärfen, könnte den Ablauf des Wassers aber verzögern, betonten die Hydrologen.

bim/dpa