Hochwasser Nach der Flut drohen Schlammlawinen
Bern - Nach dem Hochwasser drohen nun an vielen Stellen Geröll- oder Schlammlawinen abzugehen, da der Boden völlig vollgesogen ist, teilten die Behörden in der Schweiz mit. Zum Teil steigen die Pegel der Seen in der Zentralschweiz noch immer an. Dagegen sind die Wasserstände bei vielen Flüssen und Bächen wieder deutlich zurückgegangen. Bevor erneute Regenfälle kommen, wird derzeit fieberhaft aufgeräumt, damit das neue Wasser besser abfließen kann.
Die eidgenössischen Behörden gehen von bisher sechs oder sieben Toten aus. Ein siebter im Walensee gefundener Toter könnte auch bereits zu einem früheren Zeitpunkt gestorben sein. Versicherer schätzen die Schäden in der Schweiz auf etwa 500 Millionen Franken (über 320 Millionen Euro).
In Luzern, wo die Altstadt überflutet wurde, heulten am Morgen die Sirenen. Es handelte sich aber um einen Fehlalarm. Auch konnten einzelne Streckenabschnitte des Eisenbahnnetzes wieder in Betrieb genommen werden. Der Touristenort Engelberg im Kanton Obwalden bleibt von der Außenwelt abgeschnitten. Die Versorgung erfolgt durch Hubschrauber. Eine Notstraße wäre frühestens in einer Woche fertig. Über 1000 Touristen müssen ausharren, etwa 200 Menschen wurden evakuiert.
Fotostrecke: Die Flut frisst Fläche
Im Kanton Bern blieb die Lage weiterhin angespannt. In den Unwettergebieten des Berner Oberlandes, in Thun und in einem Stadtviertel von Bern bereiten die Folgen des Hochwassers nach wie vor große Probleme. So gibt es in der Hauptstadt vereinzelt immer noch keinen Strom, wie die Stadtpolizei meldete.
Nach ersten Aufräumarbeiten konnte der Zugsverkehr zwischen Zürich und Chur zum Teil wieder aufgenommen werden. Unverändert schwierig ist die Verkehrslage auf dem Schienennetz in der Zentralschweiz und im Berner Oberland. Bisher konnten nur wenige der unterbrochenen Strecken wieder in Betrieb genommen werden. Einzelne Abschnitte dürften über Monate hinweg wegen Unterspülung oder zerstörte Brücken unterbrochen sein.
Auch in Bayern hält das Hochwasser die Bevölkerung und rund 1000 Helfer weiter in Atem. Vor allem in Freising, Neu-Ulm, Regensburg und Ingolstadt spitzte sich die Lage zu. Ein Sprecher des bayerischen Landesamts für Umwelt sagte, der nächste Brennpunkt sei Freising. "Da ist nicht sicher, ob die Dämme halten."
Die Hochwasserwelle bewegte sich nach Angaben des Innenministerium in München auf die Gebiete an Isar, Donau und Inn zu. Dort liefen die Vorbereitungen zum Schutz vor der Flut auf Hochtouren. Helfer von Bundeswehr, Technischem Hilfswerk, Feuerwehr und Rettungsdiensten sind im Dauereinsatz.
Erleichterung in Ostbayern
Entgegen ersten Befürchtungen wird die Flutwelle der Donau in Ostbayern vermutlich weniger schlimm ausfallen. "Bilder wie in Südbayern sind bei uns nicht zu erwarten", sagte ein Sprecher der Stadt Regensburg. Der höchste Pegelstand wird für morgen Vormittag mit rund 5,60 Metern erwartet. Beim August-Hochwasser 2002 war die Donau auf 6,60 Meter angeschwollen. Dennoch sind zahlreiche Hilfskräfte im Einsatz. Es wurden mehrere tausend Sandsäcke verteilt und mobile Schutzwände errichtet.
Nach Ansicht des Präsidenten des Bayerischen Landesamtes für Umwelt, Albert Göttle, sind die Städte entlang der Donau gut vorbereitet. "Diese Städte haben eine lange Erfahrung im Umgang mit Hochwasser und sind deshalb aufgrund der Vorwarnzeiten ein bisschen besser dran, als die Orte im Süden Bayerns", sagte Göttle. "Wir haben das Schlimmste überstanden."
Die Stadt Kempten ist einer Hochwasser-Katastrophe nur knapp entgangen. Die Rekordflut mit einem Höchststand von 6,42 Meter verschonte die Altstadt nur um Zentimeter, sagte ein Sprecher der Stadt. "Wir sind glimpflich davongekommen." Der Iller-Pegel war am Vormittag um über zwei Meter gefallen, der Katastrophenalarm wurde aufgehoben. Sandsäcke wurden eingesammelt und mobile Hochwassersperren abgebaut.
Österreich: "Das Schlimmste ist vorbei"
Bei den Überschwemmungen in Österreich ist ein weiterer Mensch ums Leben gekommen. Ein 52 Jahre alter Mann aus Reuthe im Vorarlberg sei in der vergangenen Nacht tot in seinem überfluteten Keller gefunden worden, sagte ein Sprecher des österreichischen Innenministeriums. Damit seien bislang drei Menschen durch das Hochwasser umgekommen.
Hochwasser: Der Kampf gegen die Fluten
Ein 81-Jähriger aus Vorarlberg werde vermisst, nachdem er mitsamt seinem Auto von den Fluten davongespült worden sei. In Vadans sei ein Feuerwehrmann schwer verletzt worden, als ein Baum umgestürzt sei. Dem Sprecher zufolge beruhigte sich die Lage aber langsam. Das Schlimmste sei vorbei, sagte er. Am Dienstag war im Ötztal ein Toter gefunden worden; in der Nacht zum Montag war in der Steiermark eine 50 Jahre alte Frau gestorben, als ihr Haus überflutet wurde.
25 Tote in Rumänien
In Rumänien ist die Zahl der Todesopfer der Überschwemmungen, die seit zehn Tagen andauern, auf 25 gestiegen. Im zuletzt besonders betroffenen siebenbürgischen Kreis Harghita ertranken nach Angaben des Innenministeriums in Bukarest sieben Menschen, acht wurden vermisst. Bis Sonntag waren 18 Todesopfer der Unwetter gemeldet worden.
Allein in der Kleinstadt Odorheiu Secuiesc im Kreis Harghita wurden 800 Häuser von den Fluten erfasst. Der Ort war stundenlang vom Wasser umschlossen. In den vergangenen zwei Tagen drang die Flut in rund 2800 Häuser in 22 Ortschaften in Siebenbürgen ein. Zahlreiche Landstraßen wurden unpassierbar, teils durch Überflutung, teils durch Erdrutsche.