Überschwemmungen: Wertheim unter Wasser
Hochwasser Wertheim droht zweite Flutwelle
Wertheim/Koblenz - Die Hochwasserlage im baden-württembergischen Wertheim spitzt sich zu: Bis zum Abend werde der Pegelstand voraussichtlich sechs Meter erreichen, sagte ein Feuerwehrsprecher. Um 9 Uhr lag der Pegelstand bei 5,78 Meter. Der Normalpegel in der Stadt am Zusammenfluss von Main und Tauber beträgt 1,50 Meter. Erst am vergangenen Mittwoch war die Stadt von einer Flutwelle betroffen - das Wasser hatte 5,80 Meter hoch gestanden.
Wertheim droht nun das schlimmste Main-Hochwasser seit sieben Jahren. Im Jahr 2003 hatte der Pegel in der Stadt einen Stand von 6,08 Metern erreicht.
In Bayern passierte der Scheitel der Hochwasserwelle auf dem Main am Morgen Würzburg ohne große Probleme. Der Pegel blieb unter der befürchten Marke von 6,70 Metern. Nach Angaben des Hochwassernachrichtendienstes in München sollten die Wasserstände des Mains unterhalb von Würzburg weiter steigen, kritische Marken aber wohl nicht erreicht werden.
Entwarnung an der Donau
An der Donau gab es bereits Entwarnung. Die Pegelstände sanken an allen Messstellen. Lediglich in Hofkirchen und Vilshofen war am Morgen noch die höchste Meldestufe vier knapp überschritten. In Passau soll die Donau einen Meter unter dem Höchststand vom vergangenen Freitag bleiben. In Sand am Main war der Ortsteil Wörth noch von der Außenwelt abgeschnitten. Die Wasserwacht hatte am Sonntag einen Fährdienst mit Booten eingerichtet, der am Montag aber eingestellt wurde, da die Boote häufig auf Grund liefen.
In Regensburg hatten die Einwohner bereits am Wochenende aufatmen können: Die Stadt blieb von einer Katastrophe verschont, weil die Donau unter dem Rekordpegel von 6,60 Metern blieb.
Auch in Hessen entspannte sich die Lage am Main leicht. Die Pegelstände sanken an einigen Stellen etwas. Im Frankfurter Osthafen stand das Wasser am Morgen bei 4,56 Metern - am Vorabend waren es noch acht Zentimeter mehr. "Der Main ist in seinem Bett geblieben", sagte ein Polizeisprecher. In Hanau berichtete ein Feuerwehrsprecher. "Im Moment sieht es nicht so aus, dass es dramatisch schlimmer wird. Aber wir müssen noch ein paar Tage mit dem Wasser leben." Allerdings wird noch eine zweite Hochwasserwelle erwartet. Unklar ist noch, wie schnell diese die hessischen Kommunen erreichen wird.
Das Main- verzögerte zudem ein schnelleres Absinken der hohen Wasserstände am Mittelrhein. "Es fällt nicht langsam, aber auch nicht ganz so schnell wie am Oberrhein", sagte ein Sprecher des Hochwassermeldezentrums in Mainz. "Der Main drückt noch ein bisschen rein." Am Mittelrhein waren am Sonntag die Höchststände erreicht worden, auch in den Nebenflüssen entspannte sich die Lage.
In Koblenz sollte noch am Montag mit dem Reinigen begonnen werden. "Wir haben nur noch fallende Pegelstände", berichtete ein Sprecher des Amts für Brand- und Katastrophenschutzes der Stadt. Es gebe weniger Kontrollen und Einsatzkräfte würden abgezogen. Einige von ihnen helfen beim Reinigen, wie der Sprecher erklärte. "Der Dreck muss nach dem Wasser ja immer schnell weggeräumt werden, sonst sitzt er fest."
Elbschifffahrt teilweise eingestellt
In Sachsen gilt derzeit die zweithöchste Alarmstufe drei. Zwischen Tschechien und Sachsen-Anhalt wurde die Schifffahrt auf der Elbe bereits eingestellt. Überall seien die schiffbaren Wasserstände überschritten, sagte der Leiter des Wasser- und Schifffahrtsamtes Magdeburg, Friedrich Koop. Das Wasser stehe so hoch, dass die Schiffe nicht mehr unter den Brücken durchkämen. Zuletzt habe es im Jahr 2006 eine vergleichbare Situation gegeben. Bis Mittwoch werde nicht mit Entspannung gerechnet, so Koop.
Am Pegel in der Elbe im brandenburgischen Wittenberge seien am Montag 6,19 Meter gemessen worden - Schifffahrt sei aber nur bis 6,10 Meter möglich. "Und 7,20 Meter drohen", sagte Koop. "Nach den Prognosen erwartet uns ein langandauernder Hochwasserscheitel."
Die Lage an der Schwarzen Elster in Brandenburg blieb mit der Hochwasseralarmstufe vier weiter brenzlig. Es sei davon auszugehen, dass die Situation noch bis Mitte der Woche kritisch bleibe, teilte das Landratsamt in Herzberg mit.